13.05.2022 / Ausland / Seite 2

Kiew fordert immer mehr

Außenminister verlangt westliche Kampfflugzeuge und kritisiert BRD

Reinhard Lauterbach

Die Ukraine fordert mehr Waffen von der NATO. Inzwischen ist sie bei Kampfflugzeugen westlicher Modelle angelangt. Außenminister Dmitro Kuleba sagte der Welt am Donnerstag, die anfangs gelieferten Modelle sowjetischer Produktion seien irgendwann einmal aufgebraucht, zum Teil seien sie es jetzt schon. Ein Zurück zu Waffen russischer Produktion werde es für die Ukrai­ne nicht geben.

Kuleba kritisierte auch die deutschen Waffenlieferungen als unzureichend. Um den veralteten Flugabwehrpanzer »Gepard« habe sein Land nie gebeten, sagte er, zumal keine Munition für ihn mitgeliefert worden sei. Sieben »Panzerhaubitzen 2000« aus Bundeswehr-Beständen, die die Ukraine jetzt bekommen werde, seien entschieden zu wenig.

Die Lage im ostukrainischen Kampfgebiet ist unübersichtlich. Nach Angaben aus Kiew gelang es eigenen Truppen, einen russischen Übersetzversuch über den Fluss Sewerskij Donez nahe Bilohoriwka zu vereiteln. Durch gezielten Artilleriebeschuss seien bis zu 1.000 russische Soldaten getötet und zahlreiches Material zerstört worden. Eine Bestätigung von russischer Seite gab es nicht. Dagegen räumte die Ukrai­ne im Laufe des Donnerstags ein, dass russische Truppen die Ortschaft Wojewodowka eingenommen haben, die zwischen den ukrainisch besetzten Industriestädten Rubischne und Sewero­donezk liegt.

Die UNO warf Russland am Donnerstag vor, im Ukraine-Krieg »ungeheure Menschenrechtsverletzungen« zu begehen. Die Sitzung des Menschenrechtsrates, auf dem Hochkommissarin Michelle Bachelet die Vorwürfe vortrug, hatte in erster Linie propagandistische Zwecke. Die BRD und mehr als 50 weitere Staaten hatten sie laut einem von dpa zitierten Diplomaten beantragt, um »denen die Augen zu öffnen, die sich neutral zu verhalten suchten«.

Als einäugig erwies sich auch die US-Organisation Human Rights Watch mit einer Veröffentlichung, die Russland den Einsatz von Streumunition gegen Zivilisten vorwirft. Einer dieser Fälle soll sich am 13. März in Mikolajiw vor einem Geldautomaten zugetragen haben. Den Beschuss der Innenstadt von Donezk am folgenden Tag, bei dem unter ähnlichen Umständen mindestens 23 Passanten beim Einschlag einer mutmaßlich ukrainischen Rakete getötet und 37 weitere verletzt wurden, erwähnte HRW nicht.

https://www.jungewelt.de/artikel/426427.krieg-in-der-ukraine-kiew-fordert-immer-mehr.html