02.08.2021 / Abgeschrieben / Seite 8

»Klimakolonialismus stoppen«

Der Protest von Klimaaktivisten gegen das erste deutsche Import­terminal für Flüssigerdgas (LNG) wurde am Sonntag beendet. Die Organisatoren von »Ende Gelände« zogen Bilanz in einer Pressemitteilung:

Ende Gelände hat heute das Aktionswochenende für Klimagerechtigkeit für beendet erklärt. Mehr als 2.000 Aktivist*innen beteiligten sich an Blockaden im Chem-Coast-Park bei Brunsbüttel. In der Nachbarschaft von Produktionsanlagen der Öl- und Chemieindustrie ist dort ein Terminal für Frackinggas geplant. Bei Wind und Wetter blockierten die Aktivist*innen an wichtigen Stellen die Bahngleise zum Chem-Coast-Park. Die Blockaden wurden über Nacht bis zum Sonntag aufrechterhalten. Am Samstag hatten Aktivist*innen mit Kanus den Schiffsverkehr auf dem Nord-Ostsee-Kanal für mehr als zwei Stunden komplett zum Erliegen gebracht. Auf einer der wichtigsten Wasserstraßen der Welt stauten sich die Schiffe. Ende Gelände fordert den sofortigen Ausstieg aus Gas, Öl und Kohle.

Bei der Blockade des Nord-­Ostsee-Kanals wurden 15 Aktivist*innen von der Polizei in Gewahrsam genommen, darunter Esteban Servat, Klimaaktivist aus Argentinien. Servat, der aus der Frackinggasregion Vaca Muerta kommt, musste Argentinien wegen staatlicher Repression und Todesdrohungen verlassen. »Die Gas- und Frackingindustrie ist heute eine Fortsetzung kolonialer Formen der Ausbeutung: Die offenen Adern des globalen Südens bluten durch die Wasserwege Europas. Deshalb hatten wir beschlossen, den wichtigsten Kanal für Frachtverkehr in Europa zu blockieren«, berichtet Servat nach seiner Entlassung. »Ich musste aus Argentinien fliehen, weil ich mich gegen die Gasindus­trie gewehrt habe. Jetzt droht mir in Deutschland ein Verfahren. Aber wir lassen uns nicht einschüchtern. Es ist Zeit für zivilen Ungehorsam.«

Das Aktionswochenende von Ende Gelände war Teil des globalen Aktionstages des Bündnisses »Shale must fall« gegen Gas, Fracking und Kolonialismus. Neben den Blockadeaktionen in Brunsbüttel hatte Ende Gelände in Hamburg eine international besetzte Podiumsdiskussion veranstaltet und mit der »Antikolonialen Attacke« eine Demonstration organisiert. Zeitgleich fanden in Südamerika, Nordamerika und Europa in 13 Ländern 23 Aktionen gegen Fracking statt.

Joli Schröter und Elia Nejem, Pressesprecher*innen von Ende Gelände, ziehen eine positive Bilanz. Joli Schröter: »Unser Aktionswochenende war sehr erfolgreich. Wir haben mit unseren Blockaden der Lüge vom sauberen Gas kurze Beine gemacht. Den Bau des Frackinggasterminals in Brunsbüttel werden wir nicht zulassen.« Elia Nejem: »Der fossile Kapitalismus ist die Fortsetzung des Kolonialismus. Er sprengt die Grenzen des Planeten. Wir stellen das Leben über Wirtschaftswachstum und Profite. Deshalb kämpfen wir für Klimagerechtigkeit und eine sozialökologische Revolution. Wir haben an diesem Wochenende gezeigt: Eine andere Welt ist möglich! Die Klimagerechtigkeitsbewegung wächst und ist international stark wie nie! Wir werden den Klimakolonialismus stoppen.«

https://www.jungewelt.de/artikel/407503.klimakolonialismus-stoppen.html