27.07.2021 / Betrieb & Gewerkschaft / Seite 15

IG BCE vor Durchbruch

Naturkosmetikhersteller Laverana blockierte jahrelang Wahl eines Betriebsrats

Es wäre eine Premiere: Beim Naturkosmetikhersteller Laverana könnte in den kommenden Wochen erstmals in der mehr als 30jährigen Unternehmensgeschichte ein Betriebsrat gewählt werden. Das teilte am Sonnabend die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) in einem Beitrag auf ihrer Homepage mit. Demnach unterstütze die Gewerkschaft die Belegschaft »bei diesem Vorhaben intensiv«.

Gespräche zwischen IG BCE und der Geschäftsführung zwecks Durchführung einer Betriebsratswahl seien bereits aufgenommen worden. Laverana hat drei Standorte in der Region um die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover. Zudem soll über einen Tarifvertrag Mitbestimmung verhandelt werden.

Die Planungen konzentrieren sich auf die Bildung eines gemeinsamen Betriebsrates für alle drei Lave­rana-Standorte. Neben Wennigsen und Bantorf mit jeweils rund 200 Beschäftigten ist das die Verwaltung in Hannover mit etwa weiteren 100 Kolleginnen und Kollegen, kündigte die IG BCE an. Eine entsprechende Wahlversammlung solle zeitnah stattfinden. Eine gewisse Skepsis bleibt: Bei Laverana waren in den vergangenen Jahren mehrere Versuche zur Gründung einer Interessenvertretung für die Belegschaft gescheitert.

Michael Linnartz, Leiter des ­IG-BCE-Bezirks Hannover, wirkt indes zuversichtlich: »Es ist Zeit, dass sich ein erfolgreiches Unternehmen wie Laverana der sozialen Verantwortung stellt und Betriebsratswahlen im Unternehmen nicht im Weg steht«, wurde er in der Mitteilung zitiert. Das unternehmerische Leitmotiv der Nachhaltigkeit müsse neben der ökologischen auch die soziale Dimension umfassen, so Linnartz. Dazu gehöre die Vertretung der Beschäftigten durch einen Betriebsrat nach Betriebsverfassungsgesetz und durch eine DGB-Gewerkschaft.

Die zuständige IG-BCE-Sekretärin Regina Karsch ergänzte: »Die Lave­rana-Beschäftigten haben Jahrzehnte dafür gesorgt, dass das Unternehmen nicht nur wächst, sondern auch kräftige Gewinne einfährt.« Die Geschäftsführung habe dennoch in der Vergangenheit immer wieder interveniert und die Wahl eines Betriebsrats verhindert. Nun hat offenbar ein Umdenken stattgefunden: »Wir freuen uns daher sehr, dass wir endlich gemeinsam mit den Laverana-Kolleg*innen das Unternehmen in die Tarifbindung führen können.« (jW)

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