22.07.2021 / Feuilleton / Seite 14

Nachschlag: Keine Hagia Sophia

Tag für Tag | Mi., 9.35 Uhr, DLF

Istanbul ist nicht nur laut, sondern auch verdammt groß: Es dauert mehrere Tage, einen Gesamteindruck von der Stadt zu erhalten. Die Camlica-Hügel galten deshalb als willkommene Abwechslung zum Trubel, da sie sowohl einen Ort der Stille boten als auch einen Blick über die gesamte Stadt. »Galten« und »boten«, weil die Regierungspartei AKP auch diesen Teil Istanbuls zerstört hat. Der DLF widmete der Bauwut der Regierung einen Beitrag, u. a. der protzigen Camlica-Moschee, dem größten Gotteshaus der Türkei. Darin wird festgestellt, dass die Moscheen Istanbuls zumeist leerstehen. Wen wundert‘s? Die Religiosität in der Türkei ist oft nur vorgegaukelt, der Bau von großen Moscheen ein zum Scheitern verurteilter Versuch, das von Griechen erbaute architektonische Meisterwerk Hagia Sophia zu überbieten. Im Beitrag heißt es, die Camlica-Moschee sollte ein Symbol werden, und Staatspräsident Erdogan überlege, sich dort nach seinem Tod begraben zu lassen. Aber was ist, wenn er schon bald ins Exil muss? Grins! (es)

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