22.07.2021 / Ansichten / Seite 8

Wurmstich des Tages: Lazio-Fans

Peter Merg

Auch im Fußball ist Job nicht gleich Job. Das muss gerade der albanische Verteidiger Elseid Hysaj erfahren, der kürzlich vom süditalienischen Traditionsklub SSC Neapel zum Erzrivalen Lazio Rom gewechselt ist. Denn beim obligatorischen Einstandssingen – ein kurioses Ritual so mancher Teams, bei dem Neuzugänge ihre Wettkampfhärte a cappella unter Beweis stellen müssen – hatte der 27jährige ausgerechnet den antifaschistischen Klassiker »Bella Ciao« geträllert.

Ein No-Go für die vielen ­Fascho-Fans des Klubs, die durch ein Onlinevideo von der Sache Wind bekamen. Lazio wurde im wohlhabenden Norden der Hauptstadt gegründet, die ­Anhängerschaft ist traditionell rechtsaußen. Lange gehörten in der »Curva Nord« Hakenkreuze zum guten Ton, rassistische Beleidigungen sind Usus. Der Hass der Tifosi auf den Neuen entlud sich nicht nur in den sozialen Medien: An einer Tiberbrücke prangte ein Ultra-Transparent mit der Aufschrift »Hysaj ist ein Wurm, Lazio ist faschistisch«. Einige der Gekränkten wollten dem Delinquenten gar im Hotel auflauern. Gegenüber der Nachrichtenagentur Adnkronos erklärte einer der Fanführer: »Unsere Fans waren historisch immer rechtsextrem, und das sage ich mit Stolz.« Im Lazio-Trikot »Bella Ciao« zu singen sei »komplett verrückt«.

Bittere Ironie: Hysaj dürfte das antifaschistische Fettnäpfchen wohl nicht einmal geahnt haben. Die durch Elektro- und Rap-­Remixe vielgeschundene Partisanenhymne ist bei Jüngeren vor allem aus der spanischen Netflix-Serie »Haus des Geldes« bekannt, in der sich Bankräuber mit dem Lied auf ihren Coup einstimmen. Vielleicht wollte sich Hysaj also nur um einen Gastauftritt bewerben.

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