22.04.2021 / Medien / Seite 15

Facebook bläst zum Angriff

US-Onlineriese reagiert auf Erfolg der Plattform »Clubhouse« mit eigenem Dienst

Der aktuelle Renner unter den Kommunikationsapps der urbanen Intelligenzija im Netz heisst »Clubhouse«. Die im vergangenen Jahr auf den Markt gebrachte audiobasierte Plattform der US-Softwarefirma Alpha Exploration Co. läuft derzeit zwar nur auf dem Apple-I-Phone, doch der Sprung in den gigantischen Markt der Smartphones auf Basis von Googles Betriebssystem Android steht offenbar bevor. Das von dem früheren Pinterest-Mitarbeiter Paul Davison und dem ehemaligen Google-Mann Rohan Seth gegründete Unternehmen scheint damit auch die ganz große Konkurrenz hinter dem Ofen hervorgelockt zu haben.

Der jüngste Erfolg der aufstrebenden Quatschapp hat jetzt Facebook auf den Plan gerufen. Der Marktgigant und Betreiber des weltgrößten Onlinenetzwerks stellte in der Nacht zum Dienstag einen ähnlich funktionierenden Konkurrenzdienst mit dem Namen »Live Audio Rooms« vor, wie dpa am Dienstag berichtete. Allein die schiere Größe Facebooks dürfte dem Datenkraken erhebliche Vorteile beim schnellen Wachstum der Neuvorstellung verschaffen. Facebook hat bereits mehr als 2,5 Milliarden Nutzer an seiner Leine, die nun auch Live Audio Rooms nutzen können. Clubhouse hatte mit Null angefangen.

Bei dem Emporkömmling können zahlreiche Nutzer an Talkrunden teilnehmen. Nur einige können gleichzeitig sprechen. Die App gewann in den vergangenen Monaten unter anderem nach Auftritten von Prominenten schnell an Popularität. Die bisherige Begrenzung auf das Apple-Betriebssystem bremst da wohl doch. Auch Twitter testet bereits eine Clubhouse-Kopie. Fast zeitgleich mit Facebook kündigte auch die Plattform Reddit einen ähnlichen Dienst an.

Facebook indes steigt gleich groß ein. In einer Kooperation mit dem Musikstreaming-Marktführer Spotify wird man Podcasts direkt in der Facebook-App hören können. Die Plattform (Datensammler) will dabei basierend auf dem Wissen über die Interessen der Nutzer einzelne Podcasts vorschlagen. Der Zuckerberg-Konzern ist bekannt dafür, Funktionen erfolgreicher Rivalen in seinen Diensten zu kopieren – oder die Konkurrenten einfach zu kaufen, wie den Chatdienst Whats-App 2014. Vielleicht ist das das Schicksal des Newcomers?

Die Kopien sind nicht immer erfolgreich: So versuchte Facebook mehrfach, die von alleine verschwindenden Fotos bei Snapchat nachzuahmen, die Apps wurden aber wieder eingestellt. Mit der Kopie von Snapchats Stories-Funktion, bei der Nutzer Fotos und Videos für ihre Freunde für einen Tag verfügbar machen können, landete Facebook dagegen einen Volltreffer. (dpa/jW)

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