22.04.2021 / Ausland / Seite 2

Mörder von Floyd verurteilt

Minneapolis: Expolizist wegen Tod des Afroamerikaners schuldig gesprochen

Erneut ist in den USA eine junge Afroamerikanerin durch Polizeikugeln getötet worden. Wie die Polizei in der Stadt Columbus im US-Bundesstaat Ohio am Dienstag (Ortszeit) mitteilte, erschoss ein Polizist die 16jährige Ma’Khia Bryant, die eine andere Jugendliche mit einem Messer bedroht haben soll. Der Vorfall ereignete sich kurz vor der Verurteilung des Expolizisten Derek Chauvin in Minneapolis, der wegen seiner Verantwortung für den Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz von den Geschworenen schuldig gesprochen wurde. Diese befanden den 45jährigen in allen drei Anklagepunkten für schuldig. Das Strafmaß wird zu einem späteren Zeitpunkt festgelegt.

Das Urteil fiel nach rund elfstündigen Beratungen einstimmig aus. Chauvin nahm den Schuldspruch regungslos zur Kenntnis. Der bislang gegen Kaution freigelassene Expolizist wurde umgehend festgenommen. Vor dem Gerichtsgebäude in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota, wo sich zahlreiche Demonstranten versammelt hatten, brach Jubel aus. »Schuldig! Der Familie von George Floyd ist endlich schmerzhaft verdiente Gerechtigkeit widerfahren«, erklärte der Anwalt der Familie, Benjamin Crump. »Dieses Urteil ist ein Wendepunkt der Geschichte.« Es sende die »klare Botschaft«, dass Polizisten für Fehlverhalten zur Verantwortung gezogen werden müssten. US-Präsident Joseph Biden zeigte sich »erleichtert« über das Urteil.

»Dies ist kein Beweis dafür, dass das System funktioniert«, schrieb dagegen die Bewegung »Black Lives Matter« auf Twitter. »Es ist ein Beweis dafür, wie kaputt es ist. Weil wir so viel Zeit und Aufmerksamkeit gebraucht haben. Solange wir keine Welt haben, in der unsere Gemeinschaften angstfrei leben können, wird es keine Gerechtigkeit geben.« Bürgerrechtsgruppen fordern tiefgreifende Änderungen bei der US-Polizei, die immer wieder Gewalttaten gegen Schwarze begeht. UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet erklärte, jedes andere Urteil wäre angesichts der erdrückenden Beweislast eine »Verleugnung des Rechts« gewesen. Chauvin hatte dem wegen Falschgeldvorwürfen festgenommenen Floyd am 25. Mai 2020 in Minneapolis neuneinhalb Minuten lang das Knie in den Nacken gedrückt, obwohl dieser wiederholt klagte, er bekomme keine Luft mehr. (AFP/jW)

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