04.12.2020 / Feuilleton / Seite 11

Sicher ist sicher

Dusan Deak

Dem Robert-Koch-Institut gehen die Farbvorräte aus. Das im thüringischen Nazihotspot Hildburghausen sonst so beliebte Haselnussbraun stößt im Coronakontext auf wenig Gegenliebe. Was im Farbbereich als Steigerung von Dunkelrot übrig bleibt, ist das unsichtbare Infrarot. Um festzustellen, in welchem Coronafarbbereich sich die eigene Wohngegend befindet, sollten Bürger ein Wärmemessgerät bei sich tragen, am besten auch einen Geigerzähler. Sicher ist sicher.

Es regt sich der Verdacht, dass Querdenker und besorgte Bürger (ehemals Pegida) durch von Neonazis mitorganisierte Superspreaderpartys, getarnt als Demos gegen Coronamaßnahmen, zum Anstieg der Neuinfektionen geführt haben. Der Inzidenzwert liegt zwischen 500 und 600 auf Hunderttausend. Bedenklich wird die Lage, wenn beispielsweise alle 12.016 Bewohner der Kleinstadt Hildburghausen an Corona erkrankt sind oder die Zahl der Neuinfizierten die Zahl der Bewohner um ein Vielfaches übersteigt. Dann sind wir schnell bei siebenstelligen Inzidenzwerten. Die Notpläne der Thüringer Regierung sehen für diesen Fall vor, gesunde Bevölkerungsanteile aus dem benachbarten Bayern – nicht aus dem coronaverseuchten Passau – vorübergehend und leihweise im Landkreis anzusiedeln und so die Inzidenzrate günstiger zu gestalten.

Zusätzlich soll jedes Coronavirus nicht nur erkennungsdienstlich behandelt, sondern mit Facebook- und Instagram-Konten ausgestattet werden. Die Viren sollen vom Ordnungspersonal gezielt am Betreten von öffentlichen Badeanstalten, Verkehrsmitteln, Kneipen, Diskos, Kitas und Seniorenheimen gehindert werden, gegebenenfalls unter Androhung und Anwendung von Gewalt. Sollten Ausnahmegenehmigungen erteilt werden, müssen sie auf jeden Fall Name, Adresse, Telefonnummer und Schuhgröße (keine Phantasieschuhgröße) in einer Liste hinterlassen. Auch Personenfahnder könnten zum Einsatz kommen.

Wildschweine aus Brandenburg und deren Familienangehörige müssen, sofern sie – nach Aufhebung der Beherbergungsverbote – in Thüringen übernachten wollen, einen Impfnachweis bei sich führen (nicht älter als 24 Stunden), der zweifelsfrei bezeugt, dass sie frei von afrikanischer Wildschweinepest sind. Sie dürfen höchstens zu fünft anreisen und aus nicht mehr als zwei unterschiedlichen Familien in direkter Blutlinie stammen. Dafür verzichtet der Landkreis aufs Anbringen von Fußfesseln. Jeder Frischling darf zusätzlich einen Freund bei der Antischweinepestbehörde anmelden.

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