16.10.2020 / Sport / Seite 16

Arroganz der Macht

René Lau

Vorige Woche hatte ich von meinem Besuch bei einem Fußballspiel der C-Jugend erzählt und angeregt, wieder vermehrt Jugendspiele zu besuchen. Mich haben danach viele Nachrichten von Fans erreicht, die sich für die offenen Worte bedankten und freudig mitteilten, dass sie meiner Anregung bereits folgen und weiter folgen werden.

Nicht einmal eine Woche später erreicht uns – nicht etwa vom DFB direkt, sondern über andere Wege – die Information, dass der DFB in den Junioren-Bundesligen nur noch Mannschaften spielen lassen will, die über ein »Nachwuchsleistungszentrum« (NLZ) verfügen. Diese Teams sollen dann in einem – nach US-amerikanischem Vorbild – geschlossenen System ohne Auf- und Abstieg spielen. Einen heftigeren Schlag ins Gesicht der vielen Amateurvereine kann es kaum geben. Diese versuchen Jahr um Jahr, sich mit den Großen zu messen, und schaffen es immer wieder, mit viel Herzblut und vergleichsweise geringem Budget, das Abenteuer Jugend-Bundesliga zu stemmen. Und das, obwohl der DFB in der Vergangenheit Fahrkostenzuschüsse und weitere Unterstützungen immer weiter abbaute und die Amateure im Regen stehen ließ.

Offensichtlich haben die hohen Herren aus der DFB-Zentrale in der Otto-Fleck-Schneise und ihre hoch dotierten Trainer noch immer nicht begriffen, woher letztlich der talentierte Nachwuchs in einem NLZ kommt. Nämlich von der Basis, von den Amateuren.

Aus meiner Sicht ist dies die blanke Arroganz gegenüber der Basis. Es zeigt aber auch wieder einmal das traurige Bild eines Verbandes, der jeglichen Bezug zur Realität verloren hat und dessen Aushängeschild, »die Mannschaft«, ein jämmerliches Bild abgibt. Ein Verband, in dem die Funktionsträger mehr mit Rechtfertigungen nach außen wegen laufender Verfahren zu tun haben, als sich um das zu kümmern, wozu sie gewählt wurden.

Ich hatte gedacht, dass Corona zu etwas Demut in Frankfurt führen könnte, aber das Gegenteil ist der Fall. Die Arroganz dort wächst.

Ich hoffe, dass nicht nur die Amateure, sondern auch jeder Fan dies mit Argusaugen betrachtet und seine Stimme erhebt. Der jetzige Zustand darf nur eine Momentaufnahme sein und bedarf der dringenden Veränderung.

»Sport frei!« vom Fananwalt.

https://www.jungewelt.de/artikel/388494.beim-fananwalt-arroganz-der-macht.html