10.08.2020 / Politisches Buch / Seite 15

Kurzer Versuch

Neue Forschungsergebnisse zum österreichischen Widerstand

Im Mitteilungsblatt der Alfred-Klahr-Gesellschaft erinnert Manfred Mugrauer an den österreichischen Kommunisten Fritz Weissenbeck, der im Oktober 1949 – damals Wiener Vorsitzender des kommunistischen Jugendverbandes FÖJ, Kandidat des Zentralkomitees der KPÖ und von Zeitgenossen als »der geborene Parteiführer« beschrieben – im Alter von 29 Jahren bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. In einer Wiener Arbeiterfamilie aufgewachsen, trat Weissenbeck nach der Zerschlagung der österreichischen Sozialdemokratie 1934 mit seiner Falken-Gruppe zum illegalen kommunistischen Jugendverband über. Im Februar 1938 ging der erst 17jährige als Freiwilliger nach Spanien. Im Herbst 1940 folgte der im französischen Lager Gurs internierte Weissenbeck der in der Rückschau nur schwer nachvollziehbaren »Gesicht zur Heimat«-Losung der KPÖ: Bis auf die jüdischen und die allgemein bekannten Genossen sollten alle Internierten zur illegalen Arbeit nach Österreich zurückkehren und sich dazu vorab »repatriieren« lassen. Weissenbeck stellte sich in Bordeaux den deutschen Militärbehörden und blieb danach bis zum Mai 1945 in Haft – zuletzt, seit 1942, im KZ Ravensbrück. In Wien, so Mugrauer, gebe es heute »kein Erinnerungszeichen« für Weissenbeck, bei dessen von Tausenden Menschen besuchter Beisetzung es, so ein Augenzeuge, zu »erschütternden Szenen fassungslosen Schmerzes« gekommen war.

Heimo Halbrainer schreibt über die Österreichische Freiheitsfront (ÖFF) und die ersten Monate nach der Befreiung der Stadt Leoben am 8. Mai 1945. Die ÖFF hatte sich bis 1943 im Industriegebiet um Leoben unter der Führung einer Gruppe von Kommunisten um Sepp Filz herausgebildet. 1944 ging sie zu bewaffneten Partisanenaktionen über. Am 8. Mai 1945 entwaffnete die Gruppe den Werkschutz des Hüttenwerks Donawitz und verhinderte so die vorbereitete Sprengung des Betriebes; anschließend besetzte sie die öffentlichen Gebäude in Leoben, das der Roten Armee als »befreite Stadt« übergeben werden konnte. In den folgenden Monaten trieb ein von der ÖFF eingesetzter Dreierausschuss den Wiederaufbau und die Entnazifizierung voran. Anfang August 1945 wurde die ÖFF von der neuen britischen Besatzungsmacht allerdings aufgelöst. Auch ihre Tageszeitung wurde eingestellt, Filz sogar vorübergehend festgenommen. Heute sei, so Halbrainer, dieser »kurze Versuch, nach der Befreiung für eine bessere und gerechtere Welt einzutreten«, nahezu vergessen. (jW)

Mitteilungen der Alfred-­Klahr-Gesellschaft, Jg. 27/Nr. 2, 40 Sei­ten, 1,50 Euro, Bezug: Alfred-Klahr-Gesellschaft, Drechslergasse 42, A-1140 Wien, E-Mail: klahr.­gesellschaft@aon.at

https://www.jungewelt.de/artikel/383940.geschichte-der-arbeiterbewegung-kurzer-versuch.html