14.01.2020 / Feuilleton / Seite 14

Unfähige Polizisten

Rafik Will

Ist es ein Wert an sich, zu lehren oder zu lernen, wie Kolonialgebiete am besten verwaltet und ausgebeutet werden? Das Kolonialinstitut in Hamburg wurde 1908 genau zu diesem Zweck gegründet. Es ist ein Vorläufer der heutigen Uni Hamburg. Wissenswertes über die Geschichte des Instituts bietet die Sendung »111 Jahre Kolonialinstitut in Hamburg – Revue« (Di., 9 Uhr, FSK). Das eher unbekannte Gebiet russischen Folks erschließt dann die Musiksendung  »Keine Heimat« (Di., 15 Uhr, Radio Dreyeckland).

Gerade erst trat Maltas Staatschef Joseph Muscat zurück. Hintergrund sind Enthüllungen im Fall Daphne Caruana Galizia, die im Oktober 2017 mit einer Autobombe ermordet worden war, da sie unnachgiebig Korruptionsaffären offenlegte. Der Deutschlandfunk erinnert an die mutige Journalistin mit dem Feature »Mit Freuden würden sie mich tot sehen« von Iris Rohmann (DLF 2018; Di., 19.15 Uhr, DLF).

»Man müsste den Fußgängern einmal deutlich machen, dass es rein kommerziell operierende Unternehmen sind, denen sie ohne jede Bezahlung plappernderweise das Rohmaterial für Vorabendmagazine liefern.« Ein Zitat aus Max Goldts Text »Kinder fauler Mütter sprechen unbezahlt in Mikrophone«. Was für Vorabendmagazine zutrifft, gilt möglicherweise auch für das Genre der O-Ton-Hörspiele, zu denen Walter Kempowskis »Haben Sie Hitler gesehen?« (WDR 1973; Di., 20 Uhr, DLF) gehört. Hätten die Fußgänger als Materiallieferanten hier Zurückhaltung geübt, wäre das Dokument der deutschen Hitler-Obsession nicht zustande gekommen. Apropos: Das Spannungsverhältnis zwischen dieser anhaltenden Obsession und der Idee, die Vergangenheit hinter sich zu lassen, bringt der sonst als Urheber extraterrestrischer Radiohits bekannte Knarf Rellöm mit dem Titel »Wir müssen die Vergangenheit endlich Hitler uns lassen« auf den Punkt. Aus der gerade im Ventil-Verlag erschienenen famosen Textsammlung liest der Autor am Mittwoch abend in der Berliner Bar Fahimi.

Einen neuen »Radiotatort« legt Dirk Schmidt mit »Deutschland hat keine Pferde mehr« (WDR 2020; Ursendung Mi., 20 Uhr, Bayern 2) vor. Hier ermittelt die Soko Hamm, Abstellgleis für besonders unfähige Polizisten, in einem Mordfall an einem Obdachlosen. Dieter Jandts Feature »Per Flugtaxi ins Büro – Luftnummer oder Verkehrslösung?« (SWR 2020; Mi., 22 Uhr, SWR 2) fragt nach der Substanz der Pläne von CSU-Verkehrsminister Andreas Scheuer, den Luftraum für den Nahverkehr zu erschließen.

Reenactment von O-Tönen ist die Grundlage von Luise Voigts Hörspielen »Heterotopia« (DLF Kultur 2018; Do., 22 Uhr, DLF Kultur) und »Fünf Flure, eine Stunde« (HR/SWR/DLF Kultur 2020; So., 14 Uhr, HR 2 Kultur). Das erste beschäftigt sich mit sexueller Identität außerhalb sogenannter Normen, das zweite bietet Einblicke in den Alltag eines Pflegeheims. Eine Collage ist Judith Kellers Stück »Die Fragwürdigen« (SRF 2020; Ursendung Fr., 20 Uhr, SRF 1), in dem Zürich mit der Tram erkundet wird.

Neues kommt auch mit Mudar Al haggis und Wael Kadours Hörspiel  »Die Toten haben zu tun« (DLF 2019; Ursendung Sa., 20 Uhr, DLF), Stella Luncke und Josef Maria Schäfers Feature »Unrentabel – wenn Künstler Rentner werden« (SWR 2020; So., 14 Uhr, SWR 2), Klaus Raabs Beziehungsstory »Wie grob der Filz ist und wie warm« (BR 2020; Ursendung So., 15 Uhr und Wdh. Mo., 20 Uhr, Bayern 2), Michael Reitz’ entspanntem »Die Ruhe weg haben – Lob des Phlegmas in unruhigen Zeiten« (DLF 2020; So., 20 Uhr, DLF) und der Livesendung »Durch die Nacht: Anarchismus und IT – das CCC-Spezial von Ahnungslosen« (Mo., 20 Uhr, FSK).

https://www.jungewelt.de/artikel/370525.unfähige-polizisten.html