05.09.2019 / Kapital & Arbeit / Seite 9

Aus Damaskus an die Welt

Internationale Handelsmesse zieht zahlreiche Aussteller an. Iran und China dominieren, Europa nur durch Tschechien vertreten

Karin Leukefeld

»Aus Damaskus an die Welt« lautete das Motto der 61. Internationalen Damaskus-Messe, die am heutigen Donnerstag nach einer Woche zu Ende geht. Auf dem modernen Ausstellungsgelände unweit des Flughafens von Damaskus präsentierten sich in diesem Jahr 1.700 Aussteller aus 38 Ländern und Syrien. Die internationalen Aussteller füllten zwei Hallen, in einer weiteren Halle hatten sich die syrischen Aussteller eingerichtet. In einer eigenen Halle zeigten Studierende und andere eigene Erfindungen.

Ghassan Al-Fakiani, der die diesjährige Messe als Generaldirektor vorbereitet hatte, überlegte gegenüber junge Welt einen Moment, bevor er auf die Frage nach den weitgehend abwesenden Ausstellern aus Europa antwortete: »Ob die europäischen Länder fehlen? Nun, wir heißen alle willkommen, die an der Damaskus-Messe teilnehmen wollen.« In diesem Jahr seien nicht nur die Vereinigten Arabischen Emirate und das Sultanat Oman sehr prominent vertreten, es gebe auch Aussteller aus Saudi-Arabien. »Unsere Botschaft an Europa und an die Welt ist, dass Syrien wieder aufsteht. Selbst nach acht Jahren Krieg und unter den Wirtschaftssanktionen ist es uns gelungen, diese Messe wiederauferstehen zu lassen.« Obwohl es schon spät am Abend war, wurde Al-Fakiani von einem Mitarbeiter ein Stapel Rechnungen vorlegt, die unterzeichnet werden mussten. Er sei 20 Stunden am Tag im Einsatz, erklärte Al-Fakiani. Auf die Frage, ob er nach der Messe einen langen Urlaub mache, blickte er ungläubig und antwortete: »Wo denken Sie hin, wir fangen an, die nächste Messe für 2020 vorzubereiten.«

Die traditionsreiche jährlich stattfindende Internationale Damaskus-Messe öffnete erstmals 1954 ihre Tore und gilt seither als die größte Wirtschafts- und Handelsmesse des Mittleren Ostens. Damals habe die Messe in der Stadt stattgefunden, erinnerte sich Nabil M. gegenüber jW an seine Kindheit. Entlang des Barada-Flusses hätten Hütten, Zelte und Stände vom Nationalmuseum bis an den Ommaijaden-Platz gestanden. Fairus, die im Mittleren Osten wie eine Nationalheldin gefeierte Sängerin aus Beirut, sei in jedem Jahr aufgetreten. »Der Barada hatte damals noch viel Wasser«, so der 68jährige. »Kleine Boote sind dort gefahren, es war für uns jedes Jahr ein großes Fest.«

Mit den wirtschaftlichen und politischen Umbrüchen in den 2000er Jahren und der Öffnung des Landes wurde die Messe immer größer und internationaler. Jedes Land wollte von dem wirtschaftlichen Aufschwung Syriens profitieren. 2010 war das Land auf dem besten Weg, die fünftstärkste Ökonomie unter den arabischen Staaten zu werden. Kurz vor dem Krieg, der 2011 begann, war die Internationale Messe auf das neue Ausstellungsgelände an der Flughafenautobahn umgezogen. 2012 wurde die Messe wegen des Krieges ausgesetzt, um nach fünf Jahren Unterbrechung im September 2017 erstmals wieder ihre Tore zu öffnen.

Zwei Hallen waren für ausländische Aussteller reserviert. Aus Europa war lediglich die Tschechische Republik vertreten. Eine internationale Halle dominierten der Iran und China. Vor den iranischen Ständen drängelten sich die Menschen durch die Gänge. Seit 40 Jahren ist der Iran Sanktionen der USA und Europas ausgesetzt und hat es dennoch geschafft, für sprichwörtlich alle Lebenslagen hervorragende Produkte zu entwickeln. Vom Staubsauger über medizinische Geräte, Lebensmittel, Baumaterialien, Fliesen, Kacheln und Armaturen bis zu Fahrzeugen aller Kategorien reichen die Angebote. Dicht umlagert war insbesondere der Stand des iranischen Autoherstellers SAIPA, bei dem man schon für rund 7.000 Euro ein Familienauto kaufen kann. Das kleine gelbe SAI PA-Taxi ist aus syrischen Städten nicht mehr wegzudenken.

China war mit drei großen staatlichen Unternehmen aus den Bereichen Sicherheit, Energie und Bauwesen vertreten, kleinere Unternehmen versammelten sich in der »China City«. Vor den Toren von Damaskus ist in der Industriestadt Adra für ausländische Firmen eine Freihandelszone eröffnet worden. Dort hat sich auch »China City« niedergelassen, sagte Generaldirektorin Zhou Dongyun und verbeugte sich höflich mit dem Angebot: »Kommen Sie doch vorbei und sehen Sie sich um. Unsere Firmen liefern alles, was gebraucht wird, von China nach Syrien.«

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