14.05.2019 / Ansichten / Seite 8

Gegenddarstellung: Michael Sommer

Den einen großen Hit landen und sich dann aufs Altenteil zurückziehen. Das wäre was. Davon träumen die meisten Musiker. Doch die Songs können noch so gut sein – letztlich steckt man da nicht drin. Um so besser für junge Welt, dass Michael Sommer bisher nicht zum Chartstürmer wurde. Denn so kann er – bereits seit 1991 – jede Menge kreative Energie in die Zeitung stecken. Und einen Micha mit Villa und Pool in den Hollywood Hills, das können wir uns sowieso nicht vorstellen.

Bei ihm laufen in der Zeitungsproduktion alle Fäden zusammen, denn er ist der Herstellungsleiter. Das erfordert starke Nerven. Michael Sommer koordiniert die Verteilung der Anzeigen, legt fest, wieviel Platz die schreibende Zunft für ihre Ergüsse hat, layoutet die Seiten, versucht die Druckerei zu beruhigen, wenn wir mal wieder nicht pünktlich sind, entwirft Plakate und Logos. Konfliktträchtig: die immer wieder überschrittenen Abgabetermine für Beiträge und der Redaktionsschluss, der unbedingt eingehalten werden muss. Dieser Stress gehört abgebaut, am besten geht das mit Musik. Michas Leidenschaft heißt Progressive Electro. Im Bandprojekt Xmorph – laut Eigenbeschreibung geboren als Bastard von Kraftwerk und Depeche Mode – bedient er die Keyboards, singt, greift auch mal in die Saiten. Songwriting, Soundtüfteleien im Proberaum, Livegigs – so vielfältig wie seine Arbeit bei jW.

Am heutigen Dienstag feiert Micha seinen 50. Geburtstag, natürlich begeht der Jubilar dieses Ereignis mit einem Konzert, das in eine wilde Party münden wird. Aber machen wir besser nicht allzuviel Werbung für seine Band. Schließlich brauchen wir seine Fähigkeiten weiterhin, um der Zeitung ihr unverwechselbares, aber auch immer wieder neues Gesicht zu geben. Das macht ihn faktisch jeden Tag zum Hitproduzenten. Herzlichen Glückwunsch!

Verlag und Redaktion

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