16.03.2019 / Ausland / Seite 1

Rechter Terror in Neuseeland

Australischer Attentäter tötet Gläubige in Moscheen. Absicht vorher bekannt

Ein 28jähriger australischer Neonazi hat am Freitag im neuseeländischen Christchurch 49 Menschen in zwei Moscheen während der Freitagsgebete getötet. Mindestens 48 weitere Menschen wurden durch den Angreifer, der mit einem halbautomatischen Gewehr bewaffnet war, verletzt. In der Masjid-al-Noor-Moschee im Zentrum von Christchurch tötete er zunächst 41 Menschen. Danach zog er weiter in eine kleinere Moschee im Vorort Linwood, wo weitere sieben Menschen starben. Ein Opfer erlag seinen Verletzungen später im Krankenhaus. Ein Zeuge habe gesehen, wie Kinder niedergeschossen wurden. Nach dem Angriff wurden der Neofaschist und zwei weitere Verdächtige festgenommen. Keiner von ihnen stand auf einer der Listen für Terrorverdächtige, so Neuseelands Regierungschefin Jacinda Ardern.

Zuvor hatte der Rassist ein 74seitiges Hassmanifest zu seiner Tat im Internet veröffentlicht, überschrieben mit »The Great Replacement« (Der große Austausch). Der Begriff geht zurück auf Renaud Camus, Vordenker des neofaschistischen Front National in Frankreich. Laut der rechten »Identitären Bewegung«, die den Begriff »Großer Austausch« bekannt gemacht hat, bezeichnet er »die Tendenz einer schrittweisen Verdrängung der einheimischen Bevölkerung zugunsten fremder und zumeist muslimischer Einwanderer«, wie es auf ihrer deutschen Website heißt. Auf den Waffen des Täters waren zudem handgeschriebene Namen von historischen Militärs zu erkennen, die an der Tötung von Muslimen beteiligt waren.

Die neuseeländische Antifagruppe »Love Aotearoa Hate Racism« veröffentlichte eine Pressemitteilung, in der es anklagend heißt: »Opportunisten von ACT (rechtsliberale Partei, jW) und den Neuen Konservativen haben dazu beigetragen, den Aufstieg einer kleinen, aber militanten Rechtsextremismusbewegung mit ihrer Suche nach einem Sündenbock zu ermöglichen … Was nützt der Geheimdienst in Aotearoa (Maoriname Neuseelands, jW), wenn er jahrzehntelang friedliche Aktivisten ausspionieren kann, aber nicht auf die Bedrohung durch rassistische Mörder reagiert, die erst gestern Abend in ihren Foren damit prahlten, Muslime töten zu wollen?« (AFP/jW)

https://www.jungewelt.de/artikel/351058.hass-auf-muslime-rechter-terror-in-neuseeland.html