15.03.2019 / Feuilleton / Seite 11

Tisch und Bett

Wiglaf Droste

Findest du zu dir,

findest du zu mir.

Es ist kein kurzer Weg.

Was ist, ist ewig oder Geh weg!

*

Ruhe ruht. Die Küche ist Duft.

So atmet sich Luft.

Ein Sprung ins Vermeer, und wir schwimmen

im Wasser, wo – kann das wirklich stimmen? –

Zwiebeln, Fenchel, Knoblauch und Möhren

dem »C’est le rie« ihre Treue schwören!

*

Meerrettich, Ingwer – flugwärts hinein!

Von oben, wie auch der gutweiße Wein,

dann wird’s mit Herrn Peter Silie garniert,

mit Brot und kundiger Hand serviert.

Pfeffer und Meersalz sind naturaljamienste.

Wie schön uns »la vie«, Liebesvieh!, das kredenzte!

*

Bis Temperatur, Herzschlag, Laune stiegen. –

Ja, wohl gewärmt in der Molle liegen,

sich Kirsch- und Hirschkuss-Gedichte vorlesen,

Märchen, ohne die kein Mensch je gewesen

ist oder wäre, ohne die guten

Traumwunderwünschelruten!

*

Und dann den gemeinsamen Orgas-Dings vergeigen.

Egal! Es geht um »True Colours« zeigen!

Suchende sind wir, auch Findende

es gibt, blind erfassbar, das Bindende.

Und nun gibt’s zu rauchen: kubanischen Tabak

mit sandigem Pfeffer-Salz-Erde-Geschmack:

*

Paffen! Paff-paff!

Und selig erschlaffen.

Ey! Werd hier nicht schlaff!

Du kannst Neuglück erschaffen!

*

Ja, ich halt’ schon die Klappe. – Sagst du mal piep!?

Oder kommst du mir jetzt etwa spanisch?

Nö, du rauchst bloß, so litär wie kubanisch.

Und ich, gewollter Ringelnatzjot, – habe dich so lieb.

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