20.02.2019 / Titel / Seite 1

Trump in Siegerlaune

US-Präsident verschärft Ton gegen Caracas und entsendet Flugzeugträger. Hilfe für Venezuela aus befreundeten Ländern

Volker Hermsdorf

Donald Trump eskaliert weiter: »Die Tage des Sozialismus und Kommunismus sind gezählt«, erklärte er am Montag (Ortszeit) vor reaktionären Exilvenezolanern in Miami. Zugleich warnte er die Armeeangehörigen des Landes vor »schweren Konsequenzen«. Sie hätten nur noch die Chance »auf ein friedliches Leben mit ihren Familien«, wenn sie sich hinter den Oppositionspolitiker Juan Guaidó stellten, sagte der US-Präsident. Trump forderte das Militär dazu auf, die vorwiegend aus den USA stammenden »Hilfsgüter« ins Land zu lassen. Die Regierung in Caracas verweigert deren Einfuhr und sieht darin einen Vorwand für eine Militärintervention.

Die Antwort folgte prompt. Trump habe in Miami eine Rede »im Nazistil« gehalten, erklärte Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro am Montag abend. »Die USA halten sich für die Herren der Welt. Sie wollen uns wieder ihr Kolonialmodell aufzwingen, politische Alternativen verbieten und überall das Denken der Rassisten im Weißen Haus durchsetzen«, sagte er.

Maduro warf Washington vor, die Krise anzuheizen. Im Vergleich zu den Verlusten durch die US-Wirtschaftsblockade und den Milliarden von US-Dollar, die Washington an venezolanischen Vermögenswerten eingefroren habe, seien die in Kolumbien gelagerten »Hilfsgüter« nur »ein Krümel«. Dennoch will Putschistenführer Guaidó sie am Sonnabend »so oder so« ins Land bringen.

Er werde »Hunderttausende Anhänger mobilisieren«, um den USAID-Paketen einen Weg zu bahnen, kündigte Guaidó an. Zu seiner Unterstützung sind am Sonntag unter anderem der ultrarechte US-Senator Marco Rubio und der Kongressabgeordnete Mario Díaz-Balart in die von Armut geprägte Grenzstadt Cúcuta gereist.

Die kubanische Tageszeitung Granma erinnerte am selben Tag daran, dass im weiter nördlich gelegenen kolumbianischen Bezirk La Guajira in den letzten acht Jahren mehr als 4.700 Kinder an Unterernährung gestorben seien, ohne dass die USA »humanitäre Hilfe« dorthin geschickt hätten. Nach Angaben Maduros erwartet Venezuela am Mittwoch eine Sendung mit 300 Tonnen Hilfsgütern und Medikamenten aus Russland, China, der Türkei, anderen Ländern und der UNO, die »legal« eingeführt würden.

Im Vorfeld der angekündigten »humanitären Aktion« ziehen die USA den militärischen Ring um Venezuela enger. Wie das US-Nachrichtenmagazin Washington Examiner berichtet, wird ein Flottenverband der US-Kriegsmarine ins Karibische Meer verlegt. Unter anderem hätten der mit 85 Kampfjets bestückte Flugzeugträger »USS Abraham Lincoln«, der mit Marschflugkörpern bewaffnete Lenkwaffenkreuzer »USS Leyte Gulf« sowie vier Zerstörer Kurs auf die kolumbianisch-venezolanischen Küste genommen.

Die kubanische Regierung hatte bereits in der vorigen Woche vor einer Konzentration von US-Spezialtruppen in der Karibik gewarnt. Die Transporte seien von US-Stützpunkten aus gestartet, von denen Einheiten für verdeckte Aktionen gegen die Regierungen anderer Länder operierten, enthüllte die Regierung in Havanna.

In Venezuela organisieren Künstler indessen für den 22. und 23. Februar ein großes »Konzert für den Frieden und das Leben«. Die Veranstaltung werde auf der Brücke Simón Bolívar zwischen der venezolanischen Stadt San Antonio und dem kolumbianischen Cúcuta stattfinden, erklärte Kommunikationsminister Jorge Rodríguez am Montag.

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