15.01.2019 / Feuilleton / Seite 14

Besser in Bestform

Rafik Will

Der Trend zur Körperoptimierung setzt nicht nur junge Leute unter Druck. Auch immer mehr Rentnerinnen und Rentner strampeln sich im Fitnessstudio ab. Denn wer auf lange Sicht die Einlieferung ins Altersheim vermeiden will, bleibt besser in Bestform. Welche anderen Gründe es gibt, im Ruhestand Sport zu treiben, erkunden Stella Luncke und Josef Maria Schäfers in »Over the Top – Rentner in Höchstform« (DLF 2018; Di., 20 Uhr, NDR Kultur). Ein Giftmord mit Hilfe einer exotischen Schlange ist der Ausgangspunkt für Dirk Schmidts »ARD-Radiotatort 130: Cascabel« (WDR 2019; Ursendung Mi., 20 Uhr, Bayern 2), in dem das Ermittlerteam illegalem Tierhandel in Hamm auf die Schliche kommt.

Preisgekrönt ist Noam Brusilovskys Bearbeitung von Tomer Gardis Roman »Broken German« (SWR 2017; Mi., 21.30 Uhr, DLF Kultur), der sich unter anderem mit jüdischer Identität in Deutschland auseinandersetzt. Das Stück gewann 2017 den »Deutschen Hörspielpreis der ARD«. In der Begründung der Jury hieß es, »Broken German« mache »ununterbrochen neue Verständigungsangebote: Bildungsroman, Künstlerparabel, Kunstsatire, Krimi, Verwechslungskomödie, Genderphantasie, Familiengeschichte«, und entziehe sich zugleich der »festschreibenden Identifizierung«. Mit der präkolonialen Geschichte Afrikas beschäftigt sich dann das monatliche Magazin »Muntu Kamâa« (Do., 13 Uhr, FSK).

Im Vergleich zum Film ist das Medium Hörspiel eher weniger für das Horrorgenre geeignet. Denn der Grusel wirkt nicht so glaubwürdig, und eventuell vorhandene ironische Untertöne bekommen meist eine morbide Note. Robert Weber hat mit seiner Reihe über einen Killervirus und die letzten Überlebenden auf Helgoland trotzdem mal probiert, was so geht. Mit »Die Infektion« (WDR 2010; Do., 23 Uhr, WDR 1 Live) kommt diese Woche der erste Teil.

Mitte Januar hat die Kunst Geburtstag. Den hatte Robert Filliou 1963 auf den 17. Januar vor einer Million Jahren festgelegt. Mit dem »Art’s Birthday 2019« (Euroradio Ars Acustica Group 2019; Do., 23 Uhr, ORF Ö1 und Fr., 0 Uhr, ORF Ö1) und dem »Art’s Birthday 2018 – Rückblick« (ORF 2019; Teil 1/3 So., 23 Uhr, ORF Ö1) wird dieses Datum entsprechend gewürdigt.

Mitglieder indigener Gemeinschaften werden in vielen Ländern diskriminiert und haben selten gute Aufstiegschancen. Zugleich werden die Grundlagen für das Leben fernab der Zivilisation immer knapper. In welcher Zwickmühle sich der einzelne dadurch wiederfindet, untersucht Thomas Fischermann in »Madarejúwas Entscheidung: Vom Überleben im brasilianischen Regenwald« (DLF 2019; Ursendung Fr., 20 Uhr, DLF). Im Anschluss laufen auf anderen Wellen die Premieren von Kathrin Rögglas »Geschäftsführersitzung« (BR 2019; Ursendung Fr., 21 Uhr, Bayern 2) – in dem die Reaktionen einer Institution auf die Rückkehr offen autoritärer Politik untersucht wird – und Elliot Weinbergers »Was ich hörte vom Irak« (RBB 2019; Ursendung Fr., 22 Uhr, RBB-Kulturradio), ein Rückblick auf den Irak-Krieg von 2003.

Wer früher paranoid war, musste sich oft vorwerfen lassen, keinen Grund dazu zu haben. Aber die Zeiten sind vorbei. Heute braucht man sich keine Gedanken mehr zu machen, eventuell nicht verfolgt zu werden. Auch wenn es »nur« digital erfolgt. Ein neues Feature von Gabriele Knetsch beschäftigt sich mit der global zunehmenden Datensammelei und ihren Folgen: »Big Data – oder die Vermessung des Individuums« (BR/WDR 2019; Ursendung Sa., 13 Uhr und Wdh. So., 21 Uhr, Bayern 2). Eine tolle Mockumentary läuft mit Jakob Noltes »Unbekannte Meister 4: Eine Einführung in das Werk von Klara Khalil« (BR 2018; Sa., 19 Uhr, WDR 3 und So., 17 Uhr, WDR 5). Dann ist wieder Zeit für einen Klassiker mit einer Hörspielbearbeitung von Jürg Federspiels Nachkriegsdrama »Orangen vor ihrem Fenster« (HR/NDR/DRS 1964; So., 14 Uhr, HR2-Kultur). Den krönenden Abschluss der Woche bietet Ingrid Marschangs »Geschichten aus der großdeutschen Metropulle« (NDR 2010; Teil 1/3, So., 21 Uhr, NDR Info). Die Krimigroteske und Sozialsatire nahm schon vor knapp zehn Jahren die Gentrifizierung aufs Korn.

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