10.09.2018 / Sport / Seite 16

Flensburg will mitreden

Letzte Auszeit – 30 Sekunden vor der Schlusssirene: Alfreð Gislason streckt resigniert die Waffen. »Jungs, das war’s«, verkündet der Trainer von Rekordmeister THW Kiel seiner Mannschaft im Nordderby bei der SG Flensburg-Handewitt. Der Rückstand betrug lediglich zwei Tore, aber dem Isländer fehlte der Glaube an einen erfolgreichen Endspurt. Flensburg gewann letztlich 26:25 (15:13).

Spätestens mit dem Sieg über den Lokalrivalen hat der Meister klargemacht, dass er auch in diesem Jahr ein Wort bei der Titelvergabe mitreden will. Ein Umstand, mit dem angesichts des personellen Aderlasses im Sommer nur wenige gerechnet hatten. Gleich sechs Spieler hatten die SG verlassen, darunter etliche Leistungsträger.

Doch nach vier Spielen ist die Bilanz des Titelverteidigers weiter makellos. Schon der Auswärtssieg bei den ambitionierten Füchsen Berlin am vergangenen Spieltag hatte so manchen überrascht. Dass man im 98. Nordderby, dem insgesamt 1.000. Spiel der Flensburger Bundesligageschichte, nun auch den hochgehandelten Erzrivalen Kiel entzauberte, lässt die SG endgültig in den Kreis der Topfavoriten aufsteigen.

»Das ist unglaublich. Es war ein richtig gutes Derby von uns«, sagte Flensburgs Keeper Benjamin Buric in der ARD. Der Bosnier ist einer der zahlreichen Neuzugänge und war gegen Kiel einer der Matchwinner. Weil er nach einer ausgeglichenen Anfangsphase die gegnerischen Angreifer zur Verzweiflung trieb, drehte Flensburg nach einem 8:11-Rückstand mit einem 7:1-Lauf bis zur Pause die Partie. Den Rest erledigte der berühmte Hexenkessel der »Hölle Nord«. »Die Fans haben uns in der zweiten Halbzeit, als die Beine schwer waren, getragen«, sagte SG-Coach Maik Machulla. In der hitzigen Atmosphäre der mit 6.270 Zuschauern ausverkauften Flens-Arena machte dies letztlich den Unterschied.

Kiel, das seinem nach elf Jahren scheidenden Trainer Gislason in dessen letzter Saison gerne den Titel schenken möchte, kassierte somit im dritten Spiel die erste Saisonpleite. Eine Flensburger Tabellenführung konnten am Sonntag nachmittag lediglich die ebenfalls noch ungeschlagenen Rhein-Neckar Löwen (bei der SG BBM Bietigheim) und der SC Magdeburg (gegen den Bergischen HC) mit Siegen gegen die beiden Aufsteiger verhindern. (sid/jW)

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