06.09.2018 / Medien / Seite 15

Schule als Liveact

Hamburg. Wenn die Ideen der Fernsehmacher ausgehen, wird abgekupfert: Für die Adaption einer britischen Serie wurde die Albert-Schweitzer-Ganztagsschule in Aschersleben (Sachsen-Anhalt) mit 30 Kameras verkabelt. Dies berichtet u. a. das Hamburger Portal Meedia auf seiner aktuellen Seite. »Multi Rig Documentary« nennt sich das Format im Fernsehsprech. Zusätzlich wurden demnach Interviews mit den Protagonisten geführt. Im wesentlichen wurden laut Meedia zwei 5. und zwei 9. Klassen vom Fernsehteam begleitet.

»Unbeteiligte« Schüler wurden jeweils unkenntlich gemacht. Das ist nicht unwesentlich, denn bei so einem Format können Persönlichkeitsrechte problematisch sein. Meedia erinnerte daran, dass RTL 2013 für die Dokureihe »Babyboom« eine Geburtsklinik in Berlin mit 24 Kameras ausstatten und die dortigen Geschehnisse zum Zugucken aufbereiten wollte. Der Berliner Senat stoppte damals die Dreharbeiten wegen Eingriffen in die Persönlichkeitsrechte der Kinder. Die Doku wurde abgeblasen. (jW)

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