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Der Mut

Weil er dahin geht, wo es wehtut, erhält Franz Josef Wagner für eine Kolumne in der Bild-Zeitung einen Lohn, für den andere monatelang arbeiten. Er hat nun einmal mehr sein Leben riskiert und ist in Berlin mit der U-Bahn gefahren. Nach 22 Uhr. In Begleitung der Justizministerin Brigitte Zypries (SPD), die er für »eine Verharmloserin« der Zustände in der Berliner U-Bahn hält.

»Zwei Typen in Gangster-Rapper-Klamotten tauchen auf«, berichtet Wagner in der Bild vom Freitag. »Meine Tante würde ohnmächtig werden.« Dann steigen »drei Betrunkene« zu, mit »Bierflaschen in den Händen«. Wagner fragt die Ministerin, wohin er fliehen soll, wenn es ihm gleich an den Kragen geht. Zur Notrufsäule, sagt sie. »Ich stelle mir vor, wie ich blutüberströmt zu der Notrufsäule krieche und den untersten Knopf erreiche.« Es passiert weiter nichts, und doch ist Wagner heilfroh, dem Schrecken entronnen zu sein. »Unter der Erde Berlins herrscht ein anderes Leben.« Die Vorstellung, daß die »Unter-der-Erde-Fahrer« die U-Bahn eines Tages verlassen könnten, dürfte ihm schlaflose Nächte bereiten.


Noch wichtiger in dieser Bild-Ausgabe: Tom Cruise hat den »Mut-Bambi« für seinen Stauffenberg-Filmdreh im Bendlerblock vielleicht zu Unrecht erhalten. Das Filmprojekt könnte »ein bewußt gewählter PR-Trick von Scientology« sein. Die Sekte, deren Gründer L. Ron Hubbard der tatsächliche Vater von Cruises Töchterchen Suri sein soll (»gefrorenes Sperma«), will damit in Deutschland Einfluß gewinnen. Die Bambi-Laudatio hatte Frank Schirrmacher gehalten. Ist die FAZ also bereits von Scientologen unterwandert? (jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 19.01.2008, Seite 12, Feuilleton

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