Aus: Ausgabe vom 17.08.2007, Seite 3 / Schwerpunkt

Hintergrund: Bankenkrise?

Wäre es jemand anderes gewesen, dann hätte die Bemerkung über die »vielleicht schwerste deutsche Bankenkrise seit 1931« möglicherweise Unruhe an den Finanzmärkten ausgelöst. Immerhin stürmten auf dem Höhepunkt jener Ereignisse im Juli 1931 verzweifelte Kunden die Schalterhallen, mußten von Staats wegen mehrere sogenannte Bankfeiertage eingelegt werden (die Institute machten also einfach dicht). Und am Ende waren nicht nur Dresdener Bank und Commerzbank de facto in staatlicher Hand, sondern auch der Außenhandel unterstand ab dem Sommer 1931 einer Devisenzwangsbewirtschaftung. Wer also im Zusammenhang der spektakulären Sanierung der mittelständischen IKB diesen Vergleich bemüht, malt nichts weniger als den GAU des deutschen Bankwesens an die Wand. Benutzt hatte ihn Jochen Sanio. Doch der Chef der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat in Sachen Geldpolitik hierzulande nichts zu sagen. Seine Behörde führt keine Konten, gibt keine Kredite und wedelt nur dann mit den Gesetzespapieren, wenn ohnehin schon alle wissen, daß es zu spät ist – wie 2001 beim Skandal um die Bankgesellschaft Berlin.

Ein kurzer Vergleich mit 1931 zeigt, daß die Unterschiede bei weitem überwiegen: In den zwanziger Jahren hatte das Deutsche Reich eine notorisch negative Zahlungsbilanz, die nur durch eine erhebliche Verschuldung in den USA ausgeglichen werden konnte. Dagegen ist die Zahlungsbilanz des Eurogebietes im wesentlichen ausgeglichen. Das Wirtschaftssystem der Bundesrepublik hatte Ende der neunziger Jahre sogar die Finanzierung des Anschlusses der DDR verkraftet und baut seit 2002 seine Position als Gläubiger auf den internationalen Finanzmärkten stetig aus. Sodann war 1931 das zweite Jahr der Weltwirtschaftskrise, während zur Zeit zwar über ein Ende des Aufschwungs gerätselt wird, dieser aber nicht in Sicht ist. Schließlich wurde die instabile Position der deutschen Schuldner 1931 durch politische Konflikte um die deutschen Reparationszahlungen und die interalliierten Kreditbeziehungen zwischen den USA, Großbritannien und Frankreich zusätzlich untergraben. Dagegen ist die Zusammenarbeit im Rahmen der EU stabil, und auch die Beziehungen zu den USA sind für beide Seiten alternativlos. (sg)

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