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Aus: Ausgabe vom 19.07.2007, Seite 3 / Schwerpunkt

Hintergrund

Biria

Das Nordhäuser Werk gehört zum Unternehmen Biria, das mit einem Jahresabsatz von 500000 Stück einst zu den drei größten Fahrradproduzenten Europas zählte. Stammsitz war in Neukirch (Sachsen). Im November 2005 wurde das Unternehmen von dem US-Finanzinvestor Lone Star (siehe unten) übernommen und danach ausgeschlachtet: Kundenverträge und Patente gingen an den Konkurrenten MIFA über, bei dem Lone Star ebenfalls eingestiegen war. Das Biria-Stammwerk in Neukirch wurde zum Ende des vergangenen Jahres geschlossen. Rund 220 Beschäftigte verloren ihren Job.
Im Nordhäuser Werk waren zuletzt 135 Mitarbeiter fest angestellt. Allerdings wurde in den vergangenen Jahren stets eine größere Anzahl Leiharbeiter eingesetzt, um die Aufträge zu bewältigen. Obwohl auch die Biria-Werke nicht tarifgebunden waren, sind die Stundenlöhne beim Konkurrenten MIFA laut Nordhäuser Betriebsrat um zwei Euro niedriger.

Lone Star

Die US-amerikanische Investmentgesellschaft mit Sitz in Texas »lebt davon, anderen notleidende Kredite abzukaufen, um anschließend so viel wie möglich bei den säumigen Schuldnern einzutreiben«, klärte die Süddeutsche Zeitung in einem älteren Artikel auf. Mehr als 20 Prozent Rendite würden so im Branchenschnitt erzielt. Mit ähnlicher Brutalität, wie sie Lone Star bei säumigen Schuldnern nachgesagt wird, ist die Heuschrecke seit Übernahme von Biria mit deren Beschäftigten und Standorten umgegangen.

Einschüchterung

Die Unternehmensleitung läßt nichts unversucht, die Beschäftigten einzuschüchtern und die Besetzung zu beenden. Eine beim örtlichen Arbeitsgericht beantragte einstweilige Verfügung zur Auflösung der Versammlung wurde am vergangenen Donnerstag zwar nicht erlassen. Dennoch forderte die Geschäftsleitung die Besetzer auf, das Gelände bis Dienstag früh zu verlassen und drohte andernfalls – sehr zur Erheiterung der vor der Kündigung stehenden Beschäftigten – mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen.

(jW)

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