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Reinecker tot

Wie erst jetzt bekannt wurde starb der frühere Nazi und spätere Trivial-TV-Serienschreiber Herbert Reinecker am 27. Januar in München im Alter von 92 Jahren. Im Faschismus veröffentlichte Reinecker Bücher wie »Jugend in Waffen« (1936), »Pimpfenwelt« (1938), »Panzer nach vorn. Panzermänner erzählen vom Feldzug in Polen« (1939). Desweiteren war er Chefredakteur der HJ-Zeitschriften Der Pimpf und Junge Welt (sic!). Am 5.4.1945 schrieb Reinecker den letzten Leitartikel in der SS-Zeitung Das schwarze Korps. Nach dem Krieg flüchtete er ins Kabarett und textete für die Kölner Bühne »Ulenspiegel«. Es folgten diverse Krimi-Drehbücher fürs Fernsehen. Es wäre eine germanistische Aufgabe, in den 281 »Derrick«-Folgen von 1974–1998 (sämtlich von Reinecker ausgedacht), Kontinuitäten des »Faschismus in den Köpfen« (Foucault) herauszuarbeiten. Gilt auch für den von Reinecker ersonnenen »Kommissar« (1968–1975) und den »Derrick«-Nachfolger ­»Siska« (läuft seit 1998).

»Derrick« wurde vom ZDF in mehr als 100 Länder verkauft. Bemerkenswert ist, daß die tumben Hauptfiguren, der Oberinspektor Derrick (Horst Tappert) und Inspektor Klein (Fritz Wepper), jahrzehntelang Dienstgrade innehatten, die in der Bayrischen Polizei seit 1975 abgeschafft wurden. Auf statische Weise ermittelten sie im betont geschichtsfernen Raum – eine Art psychedelische Gummizelle, in der sich mit größtem Ernst über kleinste Banalitäten ereifert wurde. Nicht von ungefähr behauptet Hans Janke, der ZDF-Fernsehspielchef, Reinecker hätte »ein Millionenpublikum aufs Allerbeste unterhalten« und »wie wenige Lehren aus der deutschen Vergangenheit gezogen, die auch seine eigene war«.
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(jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 09.02.2007, Seite 12, Feuilleton

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