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Opel kriegt europaweit Probleme

Protest in Rüsselsheim gegen Werksschließung in Portugal

Foto: dpa
Deutsch-portugiesische Arbeitersolidarität. Opel-Stammwerk Rüsselsheim, Dienstag, 20. Juni
Nos lutamos juntos – wir kämpfen gemeinsam«, steht auf dem Transparent, das Arbeiter am Dienstag an einem Gebäude des Opelstammwerkes in Rüsselsheim befestigten. 5000 Mitarbeiter demonstrierten aus Solidarität mit ihren streikenden portugiesischen Kollegen im Opelwerk Azambuja. Der Konzern plant, das Werk Azambuja in Portugal noch in diesem Jahr zu schließen und die Produktion ins spanische Zaragoza zu verlegen. 1200 Arbeiter würden ihren Job verlieren. Laut einer konzerninternen Studie sollen die Produktionskosten in Azambuja je Fahrzeug um 500 Euro höher sein als in vergleichbaren Standorten. In Azambuja wird der Kleintransporter Opel Combo gebaut.

IG-Metall Chef Jürgen Peters kritisierte bei der Kundgebung in Rüsselsheim die »maßlose Profitgier« der Konzerne und machte klar, daß sich die europäischen Mitarbeiter der US-Konzernmutter General Motors »nicht auseinander dividieren lassen«. Für die kommenden Tage kündigte der Opel-Betriebsrat europaweit weitere Proteste an.

Wenn GM das portugiesische Werk tatsächlich schließe, sei dies »GMs unmißverständlicher Einstieg in den Ausstieg aus der Fahrzeugproduktion in Westeuropa«, kritisierte Europa-Betriebsratschef Klaus Franz. Die Frage nach der Zukunft des portugiesischen Werks »ist ein Symbol dafür, ob in Westeuropa noch industrielle Arbeit stattfinden kann«, unterstrich er. Es sei aktuell ein Trend in der GM-Konzernpolitik, »sich von Europa zu verabschieden und mit der Produktion in den Fernen Osten zu gehen«, erklärte Franz. Osteuropa sei dabei nur eine »Zwischenstation«, sagte er.


IG Metall-Chef Peters prangerte bei der Kundgebung den drohenden Bruch der Standortsicherungsverträge in Azambuja durch GM und die Millionen schwere Subventionierung des Werks mit öffentlichen Mitteln an. Nach Gewerkschaftsinformationen geht es um rund 40 Millionen Euro und eine eigens für das Werk gebaute Eisenbahnlinie. Im Fall einer Schließung des Werks müsse GM alle öffentlichen Mittel zurückzahlen, verlangte Peters. Wer die Produktion verlagere, solle dafür eine Abgabe zahlen. »Schließlich sind die Subventionen ja oft Grundlage für jahrelange Gewinne der Unternehmen.«

Laut Betriebsratschef Franz sind in dieser Woche weitere Proteste auch in Ungarn, Österreich und Spanien geplant. In der kommenden Woche sollen Protestaktionen in den deutschen Werken Eisenach und Bochum folgen.

(AP/jW)
junge Welt

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Erschienen in der Ausgabe vom 21.06.2006, Seite 2, Inland

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