Jesidische Verbände warnen vor Bedrohung der Glaubensgemeinschaft im Nahen Osten
Der Zentralverband der Êzidischen Vereine e. V. (Nav-Yek) und der Dachverband der Ezidischen Frauenräte e. V. in Deutschland warnen in einer Pressemitteilung vom Dienstag vor einer erneuten Bedrohung der Jesiden im Nahen Osten:
Die êzidische Gemeinschaft steht erneut am Rand der Vernichtung. Zwölf Jahre nach dem vom sogenannten »Islamischen Staat« (IS) verübten Genozid entstehen wieder Bedingungen, die schwerste Verbrechen begünstigen. Der Genozid an den Êzidinnen und Êziden wurde inzwischen von 13 Staaten sowie von den Vereinten Nationen und dem Europäischen Parlament offiziell als Völkermord anerkannt. Diese Anerkennung verpflichtet – politisch, rechtlich und moralisch! Êzidinnen und Êziden dürfen islamistischen Strukturen und Netzwerken nicht schutzlos ausgeliefert werden!
In Nordostsyrien und im Irak, insbesondere in Rojava und in Şengal (Sinjar), werden Êzidinnen und Êziden erneut gezielt entrechtet, vertrieben, bedroht und schutzlos gemacht. Die Zerstörung ziviler Infrastruktur, erzwungene Vertreibung, geschlechterbasierte Gewalt und die systematische Schwächung lokaler Schutzstrukturen schaffen vorsätzlich Lebensbedingungen, die auf die physische Vernichtung einer religiösen Gruppe abzielen.
Besonders alarmierend ist die Anordnung der irakischen Zentralregierung zur Entwaffnung êzidischer Selbstverteidigungsstrukturen in Şengal. Diese Strukturen sind keine politischen Machtinstrumente, sondern entstanden aus der existentiellen Notwendigkeit des Selbstschutzes nach dem 3. August 2014, als der IS Tausende Êzidinnen und Êziden ermordete oder verschleppte. Eine Entwaffnung ohne glaubwürdige und wirksame staatliche Schutzalternative würde jene Schutzlosigkeit wiederherstellen, die den Genozid erst ermöglicht hat. (…)
Die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) warnt im Vorfeld des Equal Pay Day und des Internationalen Frauentags in der kommenden Woche vor Angriffen auf den Achtstundentag als Angriff auf die Gleichstellung:
Die anhaltenden Angriffe von Politik und Arbeitgebern auf den Sozialstaat müssen aufhören, fordert Claudia Tiedge, stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Sie zerstörten Vertrauen und gefährdeten notwendige Investitionen in gute Arbeit und soziale Sicherheit. Anlässlich des Equal Pay Day (27. Februar) und Internationalen Frauentags (8. März) warnt die Gewerkschaft NGG vor einem arbeitsmarkt- und gleichstellungspolitischen Rückschritt. »Gerade Frauen brauchen verlässliche Arbeitszeiten, keine grenzenlose Verfügbarkeit«, betont Tiedge.
»Wer den Achtstundentag infrage stellt, greift einen zentralen Schutz für Beschäftigte an – und verschärft bestehende Ungleichheit. Wer Arbeitszeiten entgrenzt, zementiert alte Rollenbilder«, so Tiedge weiter. Denn die aktuellen Vorstöße der Union zur Aufweichung des Achtstundentags gehen zulasten der Gleichstellung – und treffen Frauen besonders hart. »Gleichstellung braucht verlässliche Arbeitszeiten, ein Recht auf Teilzeit und auf Rückkehr in Vollzeit«, betont Tiedge.
Frauen verdienen in Deutschland weiterhin 16 Prozent weniger als Männer. (…) »Der Equal Pay Day und Internationale Frauentag sind keine Symboltermine. Sie sind Auftrag: für faire Löhne, klar geregelte Arbeitszeiten und starke Tarifverträge.«
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