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Aus: Ausgabe vom 20.02.2026, Seite 1 / Titel
Güterverkehr

Jobkiller Deutsche Bahn

DB Cargo: Der neue Chef plant die Vernichtung von über 6.000 Stellen bei der Frachtsparte der Deutschen Bahn. Verbände warnen vor Zerschlagung
Von Ralf Wurzbacher
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Vorsicht bei ein- und durchfahrenden Zügen – wenn denn überhaupt einer kommt ...

Der Güterverkehrssparte der Deutschen Bahn (DB) steht ein personeller Aderlass der Sorte »Todesstoß« bevor. Er wolle hierzulande 6.200 der rund 14.000 Vollzeitstellen abbauen, kündigte der neue Chef von DB Cargo, Bernhard Osburg, am Donnerstag gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa) an. Dies soll fast alle Bereiche treffen: Fahrbetrieb, Disposition, Planung, Administration sowie Vertrieb und IT. Die Maßnahmen sind Teil eines »Umstrukturierungsplans«, um damit die seit Jahren hochdefizitäre Konzerntochter wieder in die Gewinnzone zu manövrieren. So zumindest geht die Sprachregelung. Kritiker warnen dagegen vor einer Zerschlagung und werten den Kahlschlag als Hebel, um das Unternehmen für potentielle Käufer attraktiv zu machen.

Beim Bündnis »Bahn für alle« schrillen die Alarmglocken. »Der erneute Versuch, den Frachtbetrieb durch eine Entlassungswelle zu zerstören, konterkariert öffentliche Interessen«, beklagte am Donnerstag Verbandssprecher Carl Waßmuth. »Es wird so getan, als wären Bahn und Umwelt keine Gesamtheit, sondern eine Ansammlung von Firmen, die zur Gewinnerzielung verpflichtet sind – jede Einheit, jeder Baum ein Profitcenter«, sagte er jW. Wolle man allerdings die Klimakatastrophe verhindern, müssten Güter von der Straße auf die Schiene, und das funktioniere nur im Gesamtsystem. »Andernfalls erleben wir noch einmal längere Schlangen von Lkw, die die Autobahnen verstopfen.«

Osburgs sogenannte Strategie hat eine mittelfristige Ausrichtung bis zum Jahr 2030. Vor der Umsetzung braucht es noch einen gutachterlichen Segen, der für Ende Februar erwartet wird. Das Sanierungsprogramm seiner Vorgängerin Sigrid Nikutta war bei der Managementberatung Oliver Wyman krachend durchgefallen, was ihre vor drei Monaten erfolgte Ablösung besiegelt haben soll. Nikutta wollte anfangs 2.300 Arbeitsplätze vernichten, später dann 5.000 bis 2029. Das war offenbar zu sachte, weshalb Osburg einen Tausender draufgesattelt hat. 4.000 Stellen sollen für eine schlankere Verwaltung und Produktivitätssteigerungen im Fuhrpark weichen, 2.000 weitere im Einzelwagenverkehr wegfallen. Das Geschäft, bei dem einzelne Waggons bei Industriekunden abgeholt und zu langen Zügen zusammengestellt werden, gilt als größter Verlustbringer. Wie es heißt, wolle man den Zweig erhalten, aber grundlegend neu aufstellen und dazu die Zahl der Rangierstandorte deutlich reduzieren. Ferner sollen zwölf von 27 Instandhaltungswerken dichtmachen.

Die Zeit wird knapp. DB Cargo muss bis Jahresende auf Geheiß der EU-Kommission schwarze Zahlen schreiben, weil die Konzernmutter deren Verluste nicht mehr ausgleichen darf. Die Vorgabe ist illusorisch, womit eine baldige Veräußerung wie programmiert erscheint. Auch in Frankreich musste sich die staatliche Eisenbahngesellschaft SNCF auf Druck Brüssels von großen Teilen ihrer Güterbahnen trennen. So oder so stehen die Zeichen auf Zerfall, wie auch Heiner Monheim vom Bündnis »Bürgerbahn – Denkfabrik für eine starke Schiene« vermutet. »Die ganze Preisgabe des kleinteiligen Stückgutverkehrs, des regionalen Güterverkehrs ist im Grunde Selbstmord mit Ansage«, sagte er gegenüber jW. Osburgs Plan hat zwei »Säulen« mehr: Wegen schwindender Inlandsnachfrage solle DB Cargo zum »führenden europäischen Schienenlogistiker mit klaren, grenzüberschreitenden Systemlösungen« ausgebaut werden. Punkt vier betrifft die Unternehmenskultur: Er wolle »mehr Verantwortungsgefühl bei den zuständigen Entscheidern in der Fläche«, bemerkte er. Der neue Chef geht mit »gutem Beispiel« voran.

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  • Leserbrief von Uwe Joachim (Lokführer i.R.) (26. Februar 2026 um 10:32 Uhr)
    Um fairen Wettbewerb, den es im Kapitalismus ohnehin nicht gibt, geht es nicht, wie die seinerzeit von der Bundesregierung verfügte Abwrackprämie in der Autokrise belegt. Das Diktat der EU-Kommission ist ein weiterer Baustein zur Militarisierung der deutschen Wirtschaft nach Ende der Warschauer Vertragsstaaten. Nach diesem Ende wird das Sowjetimperium in eine Menge schwacher Staaten zerbrechen, betonte Ronald Reagan im Juni 1984 vor US-Geheimdiensten. »Das wird zu blutigen Kriegen führen, es wird zu schwelenden Bränden zwischen den Nationen der Sowjetunion kommen, und wir werden sie mit der NATO löschen«, erklärte der damalige US-Präsident. Planungen für das Verlegen dieser »Löschtruppe« werden forciert. Das »Military Mobility Project« ist 2020 vom Washingtoner Center for European Policy Analysis (CEPA) durchgeführt worden, einem 2005 gegründeten Think-Tank mit Schwerpunktsetzung auf Ost- und Südosteuropa und starkem inhaltlichem Fokus auf Analyse und Planung militärischer Operationen gegen Russland (siehe dazu auch: German-Foreign-Policy)
    Um Vereinfachung der Grenzformalitäten und Verbesserung der »militärischen Mobilität« geht es bei der »Empfehlung«, die das CEPA-Projekt entwickelt hat. Zum CEPA-Netzwerk gehören die Deutsche Bahn (DB) und der Rüstungskonzern Rheinmetall. Aufgabe von Bernhard Osburg ist nicht DB Cargo als umweltverträgliches Transportmittel zu
    etablieren, sondern der CEPA-Empfehlung einen zivilen Anschein zu geben und für freie
    Marschrouten zu sorgen. Potentielle Käufer können Rüstungskonzerne sein, sie haben dann direkten Zugriff auf Lokomotiven und Wagons und sind nicht auf Verträge zwischen Bahn und Bundeswehr wie seit 2019 angewiesen. Reduzierungen im zivilen Bahnverkehr schafft Freiraum für Militärtransporte.