Das nächste Todesopfer
Von Lars Pieck
Am Samstag morgen hat ein ICE-Beamter in Minneapolis den 37jährigen Krankenpfleger Alex Jeffrey Pretti erschossen. Videos von der Tat zeigen, wie eine Gruppe von maskierten Agenten Pretti, der als ziviler Beobachter vor Ort war, zu Boden ringt und auf ihn einschlägt, bevor einer von ihnen seine Waffe zieht und mehrfach auf ihn schießt. Der Fall ähnelt stark dem von Renée Good, die ebenfalls als zivile Beobachterin unterwegs war und am 7. Januar von ICE getötet wurde, was in den ganzen USA für Proteste sorgte. Wie schon bei Good lügt das Heimatschutzministerium auch im Fall Pretti und diffamiert das Opfer als inländischen Terroristen. Die zweite erschossene Person im Rahmen der rassistischen Hetzjagd des Heimatschutzministeriums, bei der die Behörde rund 3.000 Bundesbeamte im Rahmen der sogenannten Operation Metro Surge auf Minneapolis losgelassen hat.
Bereits am Freitag waren trotz eisiger Temperaturen um minus 25 Grad in Minneapolis Zehntausende Menschen gegen die US-Einwanderungsbehörde ICE auf die Straße gegangen. Die Großdemonstration war Teil einer Stillegung des Geschäftslebens und markierte den ersten stadtweiten Generalstreik seit fast 80 Jahren. Protestiert wurde nicht nur in Minneapolis. Unter dem Motto »ICE raus aus Minnesota: Ein Tag der Wahrheit und Freiheit« vereinte die landesweite Aktion Gewerkschaften, Glaubensvertreter sowie pädagogisches und medizinisches Personal.
In Minneapolis blockierten rund 100 Geistliche am Freitag morgen eine Zufahrtsstraße vor dem Abflugbereich von Terminal 1 und setzten mit zivilem Ungehorsam ein Zeichen gegen ICE. Unterstützt von Tausenden Demonstrierenden sangen sie »Bevor diese Kampagne scheitert, gehen wir alle ins Gefängnis, jeder hat ein Recht auf Leben« und zeigten Schilder mit entführten Mitgliedern der Gewerkschaft »Unite here! Local 17«. Trotz der extremen Kälte harrten die Demonstranten, darunter streikende Arbeiter und Gewerkschaftsmitglieder des Flughafenpersonals, aus.
Am Nachmittag verlagerte sich das Geschehen in die Innenstadt. Zehntausende Demonstranten marschierten in Richtung Target-Center-Arena, wo eine weitere Kundgebung stattfand. Die Organisatoren verteilten Handwärmer. Die Demonstranten trugen Plakate und skandierten Parolen. In der eisigen Luft wehten Transparente mit der Aufschrift »ICE Out Now«. Gleichzeitig fanden Solidaritätsaktionen im ganzen Land statt, von Massachusetts über New York bis nach Chicago.
Obwohl die Zusammensetzung des Demonstrationszuges stark an die Anti-Trump-Manifestationen unter dem Motto »No Kings« im Juni und im Oktober 2025 erinnerte, unterschied sich die Reaktion demokratischer Politiker deutlich. Dieses Mal riefen kaum nationale Politiker zur Teilnahme auf, und auch Minnesotas Gouverneur Tim Walz unterstützte die Proteste nicht. Das dürfte einerseits an der prominenten Rolle der Gewerkschaften liegen, andererseits an den weitreichenden Forderungen der organisierenden Koalition: den sofortigen Abzug der ICE aus Minnesota, die strafrechtliche Verfolgung des Beamten, der Renée Good erschossen hat, und Ermittlungen gegen die Behörde sowie den Stopp zusätzlicher Bundesmittel im kommenden Kongresshaushalt. Während einige Demokraten im Repräsentantenhaus diese Finanzierung mit Billigung der Parteiführung vergangene Woche bereits durchgewinkt haben, bleibt abzuwarten, ob der jüngste Mord nun die demokratische Opposition im Senat zum Widerstand zwingen wird.
Friedenspropaganda statt Kriegsspielzeug
Mit dem Winteraktionsabo bieten wir denen ein Einstiegsangebot, die genug haben von der Kriegspropaganda der Mainstreammedien und auf der Suche nach anderen Analysen und Hintergründen sind. Es eignet sich, um sich mit unserer marxistisch-orientierten Blattlinie vertraut zu machen und sich von der Qualität unserer journalistischen Arbeit zu überzeugen. Und mit einem Preis von 25 Euro ist es das ideale Präsent, um liebe Menschen im Umfeld mit 30 Tagen Friedenspropaganda zu beschenken.
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.