Aus: Ausgabe vom 11.02.2017, Seite 10 / Feuilleton

Achtjährige Helden. Die Sektion »Perspektive Deutsches Kino«

Von F.-B. Habel

In der »Perspektive Deutsches Kino« laufen 15 aktuelle deutschsprachige Produktionen, zwei haben recht unterschiedliche Kindheiten zum Thema. »Die Tochter« von Mascha Schilinski, Jahrgang 1984, kommt gut mit drei Figuren aus. Ein Berliner Ehepaar lebt seit zwei Jahren getrennt. Die Besuche des Vaters sind für die Tochter etwas Besonderes. Als die drei einige Sommerwochen im eigenen Häuschen auf einer griechischen Insel verbringen, scheinen die Eltern wieder zusammenzufinden. Die Tochter fühlt sich »vom Thron gestürzt« und setzt alles daran, die Eltern zu entzweien. Das Kind entwickelt eine Obsession für den Vater, sagt der liebevollen Mutter böse Dinge. Schilinski erzählt sehr sensibel mit Verständnis für jede Figur. In der achtjährigen Helena Zingel (Foto) wurde eine erstaunliche Hauptdarstellerin gefunden, die in jedem Moment überzeugt.

Das gilt auch für den achtjährigen Jeremy Miliker in der Hauptrolle des österreichischen Beitrags »Die beste aller Welten«, der in der Drogenszene Salzburgs spielt. Adrian, Alter ego des Regisseurs und Drehbuchautors Adrian Goiginger (Jahrgang 1991), wird von seiner Mutter Helga geliebt. Sie will die »beste aller Welten« für ihn, aber kommt wie ihr Lebensgefährte Günter nicht vom Heroin los. Sie hat Phantasie und findet für ihre Situation märchenhafte Erklärungen, in die sich Adrian mitunter hineinsteigert. Das führt schließlich in die Katastrophe. Adrian kommt in ein Heim, seine Mutter in eine Entzugsklinik.

Mit seiner Katastrophe abzuschließen hofft der Exhäftling Becker in »Zwischen den Jahren«. Die »lebenslängliche« Haftstrafe wurde wegen guter Führung verkürzt, nun arbeitet der menschenscheue Mann als Wachschützer, geht eine Beziehung zu einer Kollegin ein. Doch Becker hat zwei Menschen auf dem Gewissen, Mutter und Tochter. Der Witwer sinnt auf Rache. Der unaufdringliche Psychothriller von Lars Henning ist atmosphärisch (Kamera und Musik) stimmig. Peter Kurth, Karl Markovics und Catrin Striebeck sind hervorragende Hauptdarsteller.

»Die Tochter«, Regie: Mascha Schilinski, D 2017, 103 min, 12. u. 13.2.

»Die beste aller Welten«, Regie: Adrian Goiginger, D/Österreich 2017, 103 min, 11. u. 12.2.

»Zwischen den Jahren«, Regie: Lars Henning, D 2017, 97 min, 14. u. 15.2.

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