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Aus: Ausgabe vom 24.12.2016, Seite 10 / Feuilleton

Verwesung bei ver.di

Aus dem Hause ver.di kam dieser Tage ein Weihnachtsgruß über die E-Mail-Verteiler, der mit den Gebrüdern Grimm an Zeiten erinnerte, »vor denen die klassischen studien uns nicht schützen konnten, über welche sie uns nicht hinweghalfen; erst als wir uns wieder zu dem wandten, was das wesen unseres volkes ist, schüttelten wir die not ab.« Was aus diesem »Bericht« des Jahres 1843 zu lernen sei, wurde den Empfängern mit alarmistischer Zeichensetzung geradezu eingebleut: »Zutrauen an (!) das Wesen (!) eines Volkes« zum Beispiel. Und: »Schaffen wir einen lebbaren Boden (Blut und B.!).« Absender war nicht etwa der ver.di-Beauftragte für Heimatvertriebene, sondern die Bundesbeauftragte der Gewerkschaft für Kunst und Kultur, Regine Möbius, auch stellvertretende Bundesvorsitzende des Verbands deutscher Schriftsteller. (jW)

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