Aus: Ausgabe vom 15.10.2016, Seite 16 / Aktion

In eigener Sache

Offener Brief an unsere Leserinnen und Leser

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Wie Sie sicher wissen, stecken viele Zeitungshäuser in erheblichen Schwierigkeiten. Das liegt auch daran, dass sie in vielem das Falsche machen: Gedruckte Zeitungen werden nur noch als Nebenprodukt oder gleich als Auslaufmodell behandelt, Investitionen und journalistische Qualität heruntergefahren, die Abopreise aber heftig nach oben getrieben. Auch die Tageszeitung junge Welt steckt in Schwierigkeiten, obwohl wir in vielem das Richtige gemacht haben:

– Uns kommt es auf Inhalte an und nicht auf Gewinn aus Vertrieb und Anzeigenerlös.

– Wir konzentrieren uns auf Hintergrund und Analyse und nicht auf Häppchenjournalismus.

– Wir beziehen klare Positionen und geben uns nicht neutral oder überparteilich.

– Damit wir mehr Menschen erreichen können, haben wir im Frühjahr einen zweiten Druckstandort eröffnet.

– Seit vielen Jahren bieten wir unsere journalistische Arbeit auch im Netz an – wobei wir darauf achten, dass sich Print- und Onlineausgabe ergänzen und nicht ersetzen.

– Nur ein Teil der Artikel ist im Internet frei verfügbar, viele unserer Onlineleser beteiligen sich an den Kosten über ein Abonnement.

– Der gedruckten Zeitung schreiben wir einen besonderen Vorteil zu: Sie strukturiert und begrenzt die tägliche Informationsmenge durch die von der Redaktion erfolgte Auswahl.

– Auch bei unserem Onlineauftritt halten wir eine gute Sortierung und Beschränkung auf das Wesentliche für den richtigen Ansatz.

Die Umsetzung dieser Erkenntnisse in ein lesbares Print- und Onlineprodukt war in den letzten Jahren mit viel Arbeit und hohen Kosten verbunden. Der Bestand an bezahlten Abonnements und der Verkauf im Einzelhandel konnten entwickelt werden – entgegen den üblichen Trends. Auch weil eine linke, unabhängige Tageszeitung gerade in diesen Zeiten dringend gebraucht wird. Weil aber die laufenden Kosten schneller steigen als die Erlöse, reichen die erwirtschafteten Mittel nicht. Wir sehen hier vier Hauptgründe:

– Wir meinen, die Zeitung muss bezahlbar bleiben. Auch wir kommen um Preiserhöhungen nicht herum – sind aber heute mit Abstand die preisgünstigste überregionale Tageszeitung, weil wir nicht übertreiben. Und das soll so bleiben.

– Viele Leserinnen und Leser, die junge Welt nutzen und ausgesprochen gut finden, sind aber trotzdem nicht ohne weiteres bereit, unsere journalistische Arbeit und Unabhängigkeit mit einem Abonnement zu unterstützen.

– Nur was man kennt und für notwendig hält, abonniert man eines Tages. Deshalb sind hohe Investitionen nötig, um die junge Welt bekannt zu machen. Werbekampagnen oder der zweite Druckstandort zahlen sich aber erst über die Jahre ökonomisch aus.

– Der technische und personelle Aufwand, der schon heute notwendig ist, um im Netz auf unsere Art wirkungsvoll präsent sein zu können, sprengt unsere momentanen finanziellen Möglichkeiten.

Die junge Welt hat eine Genossenschaft, die dem Verlag hilft, Projekte zu finanzieren und die Liquidität abzusichern. Um aber die laufenden Kosten decken zu können, bleibt der entscheidende Faktor die Anzahl der zahlenden Leserinnen und Leser. Um auch künftig über die Runden zu kommen, brauchten wir 19.000 bezahlte Print- und Onlineabonnements. Bisher konnten wir aber nur 17.000 gewinnen.

Praktisch hat dies dazu geführt, dass im laufenden Geschäftsjahr 2016 ein Jahresfehlbetrag in Höhe von 144.000 Euro aufgelaufen ist. In unserer letzten Bilanz steht dem Eigenkapital in Höhe von 25.600 Euro ein über die Jahre angesammelter nicht gedeckter Fehlbetrag in Höhe von über 953.000 Euro gegenüber. Damit wir unsere Arbeit trotzdem fortsetzen können, müssen wir eine Reihe von Maßnahmen ergreifen. Dazu gehört eine außerordentliche Vollversammlung unserer Genossenschaft LPG junge Welt eG noch in diesem Herbst.

Entscheidend bleibt aber, dass wir möglichst rasch viele Abonnements für die junge Welt bekommen – und zwar für unsere Print- wie für unsere Onlineausgabe. Wir möchten daher unsere Leserinnen und Leser, die uns nutzen und schätzen, aber noch kein Abonnement bestellt haben, dringlichst bitten, dies nun nachzuholen. Und unsere Abonnenten bitten wir, zu prüfen, ob sie ein Abo werben oder verschenken können.

Es ist nicht einfach, in Zeiten, in denen die Rechten auf dem Vormarsch sind, erfolgreich eine linke Zeitung zu machen. Dass die junge Welt aber gerade jetzt notwendiger ist denn je, braucht nicht erst betont zu werden. Dein Abo kommt also zur rechten Zeit!

Verlag, Redaktion und Genossenschaft der Tageszeitung junge Welt

Jetzt abonnieren: www.jungewelt.de/kampagne

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Geldinstitut: Postbank Berlin.
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