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Aus: Ausgabe vom 11.11.2015, Seite 11 / Feuilleton

100 Jahre 08/15

Von Wiglaf Droste

Wenn die Verwaltung der Universität Leipzig am 9. November 2015 das »Verwaltungsrundschreiben 08/15« versendet, spiegelt das eine grausame Gedankenlosigkeit wider. Im Jahr 1915 nahm das kaiserliche Heer das »MG 08/15« in Betrieb, das »8-mm-Modell«; auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs richtete diese Waffe und der Gebrauch von ihr millionenfach bis dahin unvorstellbare, mörderische Greuel an. »08/15« bedeutete industriell ermöglichtes massenhaftes Menschenabschlachten. Der saloppe, stumpfe und verdrängerische Umgang mit militärischen Verbrechen ist Teil dessen, das als »Normalität« angesehen wird; Bürokratie kennt keine eigenen Gedanken und darf sie auch nicht kennen, sonst bräche sie in sich zusammen. Seit Jahrzehnten ist »Nullachtfünfzehn« in Deutschland nichts als eine abfällig gemeinte Floskel, ein Synonym für Gewöhnliches und Banales – was die Verwaltung der Universität Leipzig mit ihrem »Verwaltungsrundschreiben 08/15« dann ja auch hinlänglich unter Beweis gestellt hat.

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