Zum Inhalt der Seite

Gegen Massentierhaltung und TTIP

Bauern, Imker und Verbraucher: Zehntausende demonstrierten in Berlin für Agrarwende

Foto: Maurizio Gambarini/dpa - Bildfunk

Berlin. Bis zu 50.000 Menschen, darunter Bauern und Imker sowie Verbraucher, haben am Samstag am Rande der »Grünen Woche« in Berlin gegen Massentierhaltung, Gentechnik und das Freihandelsabkommen TTIP demonstriert. Die Polizei sprach zunächst von weniger Teilnehmern als die Veranstalter der »Kampagne Meine Landwirtschaft«. Mehr als 90 Traktoren rollten mit der Menge vom Potsdamer Platz in Berlin-Mitte zum Bundeskanzleramt. Mit Luftballons, Trillerpfeifen und Tierkostümen forderten die Demonstranten fairen Handel, artgerechte Haltung von Nutztieren, faire Preise für die Güter von Landwirten und eine gentechnikfreie Saatgutvielfalt. Zu dem Protestzug hatte ein Zusammenschluss von mehr als 80 Bauern-, Verbraucher-, sowie Tier- und Umweltschutzorganisationen aufgerufen. Das TTIP-Abkommen diene »einseitig global agierenden Konzernen und wird vielen bäuerlichen Betrieben hier und weltweit die Existenzgrundlage entziehen«, sagte Jochen Fritz, Sprecher des »Wir haben es satt!«-Bündnisses. »Gleichzeitig drohen die Verbraucherstandards gesenkt zu werden. Das heißt mehr Gentechnik im Trog und Hormonfleisch durch die Hintertür«, warnte er. Das Bündnis fordere deshalb Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) auf, TTIP zu stoppen.

Politiker gaben sich am Rande der »Grünen Woche« verständnisvoll und zugleich beschwichtigend. Bei der Demonstration würden Themen angesprochen, bei denen man sich fragen müsse, ob etwas zu ändern sei, sagte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) laut Nachrichtenagentur dpa. Mit dem Motto »Wir haben es satt« werde aber die Mehrheit der Landwirte in eine Ecke gestellt. »Deswegen empfehle ich, aus den Ecken und aus der Selbstgewissheit herauszukommen und miteinander zu reden.«

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sprach sich für ein Umdenken vor allem in der Fleischproduktion aus. Pro Tier müsse es eine bestimmte Fläche geben, meinte sie. Und: »Antibiotika dürfen nicht mehr zum Einsatz kommen.« Es ergebe keinen Sinn, dass Menschen krank würden durch resistente Keime. »Wir brauchen dieses Billigfleisch nicht.« (dpa/jW)

junge Welt

Du findest junge Welt Journalismus wichtig – aber ein Abo ist (noch) nichts für dich?

Dann unterstütze uns jetzt mit einer monatlichen oder einmaligen Spende – ganz unkompliziert, ohne Verpflichtung, aber mit großer Wirkung.

Werde Teil einer engagierten Community, die die Weltsicht der Herrschenden nicht übernimmt, sondern kritisch hinterfragt. Dein Beitrag hilft uns dabei.

Bezahlmethoden:

Mit Absenden erklärst du dich mit der DSGVO-konformen Datenverarbeitung einverstanden

Danke für Deine Spende.
Sie macht junge Welt Journalismus erst möglich.
Erschienen in der Ausgabe vom 19.01.2015, Seite 5, Inland

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!