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Aus: Ausgabe vom 13.12.2014, Seite 11 / Feuilleton

Zeit & Zeichen

Von Wiglaf Droste

So wenig es möglich ist, das offene Meer in Rechtecke zu schneiden, so wenig kann man die Zeit umstellen. Letzeres wird dennoch versucht, damit Menschen auf ihre Digitalhuren oder Demonstrativchronometer schauen und anschließend konstatieren können, dass es anders hell oder dunkel wird als früher, was man unbedingt, vulgo »alternativlos«, als einen Fortschritt der Menschheit, Zivilisation, Wirtschaftsentwicklung etcetera anzusehen hat. Ich halte es da eher mit meiner Großtante Hilla, die bei einem Likörchen gern volksweise wurde und unter heftigem Eigengelächter verkündete: »Mach es wie die Wasseruhr, zähl die feuchten Stunden nur«, woraufhin der Rest der Verwandtschaft je nach Temperament errötete oder erbleichte, wenn nicht sogar ernstbloch.

Im Winterzeit genannten Winter verlangt es viele dennoch nach der Sommerzeit; tagsüber Palmen und Sonnenstich, abends dann aber weiße Weihnacht, Belly Jings, volle Möhre, alles. Weil das aber nicht geht, werden sie zu dem Gehäuf, das gemeinhin »Protestwähler« genannt wird, weil es weder strategisch noch anderswie von zwölf bis Mittag denken kann, dessen »Sorgen und Nöte«, wie es dann heißt, »die Politik« aber »ernst nehmen muss«, was denn sonst, schließlich muss man Leute, die man erst medial verblödet, aufgehetzt und erzeugt hat, ja auch ein bisschen mit verbalen Leckerlis belohnen.

Das passende Weihnachtsgeschenk an alle Beteiligten ist ein Fieberthermometer mit einer Skala von 40 plus in Afghanistan bis minus 50 Stalingrad.

 

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