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21.01.2014
- → Feuilleton
Lobotomie
Der Internet ist der Teil der Virtualität, in welchem die Jugend geschätzte 97 Prozent ihres Lebens verbringt. Egal, ob beim Daten mit einem Freund/einer Freundin, beim Besuch der todkranken Oma im Hospiz oder vollnarkotisiert im Zahnarztstuhl. Das Smartphone ist immer dabei, und für alles gibt es eine App.
Keiner hat die Belanglosigkeit und Banalität der sozialen Netzwerke besser und nachhaltiger dokumentiert als die Comicfigur »Sascha Lobo« aus dem 3D-Drucker. Dabei weiß man gar nicht genau, wie das »Lobo« eigentlich aussieht. Bei seinen öffentlichen Auftritten in diversen Talkshows erscheint es kostümiert als Kentucky Fried Chicken. Gemutmaßt wurde, daß sich hinter der Verkleidung Mario Barth oder Peer Steinbrück verbergen würden. Es könnte aber auch Günter Wallraff sein, der inkognito als Kumpel »Lobo« das Internet durchstöbert.
Nicht weniger schleierhaft ist die Herkunft von »Sascha Lobo«. In Archiven der ARGE finden sich rudimentäre und zum Teil abenteuerliche Hinweise zu Entstehung des »Lobo«. Es gibt drei unterschiedliche Schöpfungsmythen:
– Ursprünglich als NSA-Trojanervirus geplant, ist es zusammen mit der Piratenpartei der virtuellen Computerwelt entkommen und hat sich in der realen Welt scheinselbstständig gemacht. Seitdem erschreckt es kleine Kinder, wo es nur kann.
– Es ist ein giftiges Nebenprodukt der illegalen Genforschung. Diese These wird von der an ihm durchgeführten DNA-Analyse gestützt, die deutlich auf einen außerirdischen Ursprung »Lobos« hindeutet. Beamte des BKA vermuten Area 51 im US-Staat Nevada als Quelle.
– Das »Lobo« ist ein inkarniertes Protokoll des geplanten No-Spy-Abkommens zwischen der Bundesrepublik und den USA, abgefangen durch NSA vom Blackberry der Bundeskanzlerin Merkel.
Über »Lobos« Zukunftspläne ist wenig bekannt. Es gilt als unwahrscheinlich, daß es sich als nächstes Bond-Girl bewirbt. Viel wahrscheinlicher ist es, daß wir dem »Lobo« bald in seiner plastinierten Form begegnen, bei einer der nächsten Gunter-von-Hagens-»Körperwelten«-Ausstellungen in der Londoner Tate Gallery oder am Hamburger Bahnhof in Berlin.
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