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Aus: Ausgabe vom 01.09.2011, Seite 15 / 73

Accident Hump

Von Mitte des 18. bis Mitte des 20. Jahrhunderts ist das Alter, in dem Jungen ihre Geschlechtsreife erlangen, um etwa 2,5 Monate pro Jahrzehnt gefallen. Das meint der Direktor des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock (MPIDR), Joshua Goldstein, mittels Sterblichkeitsdaten nachgewiesen zu haben. Als Gründe nannte er verbesserte Ernährungs- und Gesundheitsbedingungen. Medizinische Aufzeichnungen belegen für Mädchen schon lange, daß die erste Menstruation immer eher stattfindet. Vergleichbare Daten für Jungen fehlen. Goldsteins Auswertung basiert auf dem statistisch gut erfaßten Phänomen des »Accident Hump«: Mit der Ausschüttung des Hormons Testosteron, die in der späten Pubertät – nach Stimmbruch und Erreichen der Zeugungsfähigkeit – am größten ist, steigt für Jungen das Risiko zu sterben, sprunghaft an. Imponiergehabe, Unachtsamkeit und hohe Gewaltbereitschaft führen vermehrt zu tödlichen Unfällen. Goldstein wertete entsprechende Daten aus Schweden, Dänemark, Norwegen, Großbritannien und Italien aus. Ab 1950 deuten die Daten eine Stagnation an. Goldstein: »Ein heute 18jähriger ist körperlich so weit entwickelt wie ein 22jähriger um 1800.«

(dapd/jW)

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