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Kein Chinese mehr

Am Freitag wird im brandenburgischen Guben das »Plastinarium« des Gunther von Hagen wiedereröffnet– als »anatomisches Kompetenzzentrum«. Der Umbau der ehemaligen Wollfabrik war aufwendig. In Küze soll zwischen den toten Körpern auch gefeiert werden können. Man denkt an Hochzeiten, Jugendweihen oder Jubiläen. »Wir schweigen dazu«, sagt Gubens evangelischer Gemeindepfarrer Michael Domke. Öffentliche Protestaktionen wie bei der Eröffnung des Plastinariums im Jahr 2006 würden nur den Leichenpräparator beim Geldverdienen unterstützen.

Gubens Bürgermeister Klaus-Dieter Hübner (FDP) redet gern über die Totenschau: »Das Plastinarium ist mit seinen 220 Beschäftigten zu einem wichtigen Arbeitgeber in der Stadt und somit zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor geworden.« Fragt man die Gubener Plastinate GmbH nach den schlechten Löhnen und unklaren Arbeitsverhältnissen von Chinesen, die vor zwei Jahren zu einer Großrazzia des Zolls führten, ist die Auskunft: »Unter den jetzt 220 Mitarbeitern ist kein Chinese mehr«. (ddp/jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 27.05.2010, Seite 13, Feuilleton

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