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Schroeter ­gestorben

Der Film- und Theater-Regisseur Werner Schroeter ist tot. Wie erst jetzt bekannt wurde, starb er am Montag im Alter von 65 Jahren in einer Klinik in Kassel an einer Krebserkrankung. Bei der diesjährigen Berlinale im Februar wurde der schwerkranke Schroeter mit dem schwul-lesbischen Teddy Award für sein Lebenswerk geehrt. Mit »Palermo oder Wolfsburg« hatte der am 7. April 1945 in Georgenthal in Thüringen geborene Schroeter 1980 den Goldenen Bären der Berlinale gewonnen. 2008 wurde er mit dem Sonderpreis der Jury der Filmfestspiele von Venedig geehrt. Angeblich soll Schroeter schon mit fünf Jahren den Wunsch geäußert zu haben, Filmregissuer werden zu wollen. Mit 13 hatte er dann eine Art Erweckungserlebnis, als er im Radio Maria Callas hörte, für ihn fürderhin die »Botin zwischen Gott und den Menschen«. Er selbst förderte dann die extravagante Schauspielerin Magdalena Montezuma, die 1981 an Krebs starb.

Der Berliner Filmemacher Rosa von Praunheim würdigte seinen ehemaligen Freund Schroeter in einem offenen »Liebesbrief« in der Berliner Zeitung (Mittwochausgabe) als »großen Außenseiter des deutschen Films und der Theaterbühne«. Als »perverser Poet« sei Schroeter ein »Zauberer des Lichts und der Schönheit« gewesen. Praunheim verweist darauf, daß Schroeter in Frankreich und Italien ein Kultstar gewesen sei. Tatsächlich wurde der Autodidakt Schroeter, der nach kurzer Zeit aus der Münchner Filmhochschule floh, in deutschsprachigen Landen weniger gefeiert, obwohl er neben Fassbinder, Wenders, Kluge, Schlöndorff und Herzog den sogenannten Neuen Deutschen Film mit vorantrieb. 1985 wurde gar sein Film »Das Liebeskonzil« von der österreichischen Regierung verboten, weil er die christliche Religion beleidige. Erst 1994 entschied der Europäische Gerichtshof in diesem Fall gegen Österreich und für die Freiheit der Kunst. Zuletzt hatte Schroeter an der Berliner Volksbühne »Quai West« inszeniert (jW vom 7.4.).
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(jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 15.04.2010, Seite 13, Feuilleton

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