Gegründet 1947 Mittwoch, 14. April 2021, Nr. 86
Die junge Welt wird von 2500 GenossInnen herausgegeben

Herr Oberst klopft Parolen

Bosnien: Offizier nach völkerrechtswidrigen Äußerungen abgezogen

Erneut ist das Ausbildungszentrum der Bundeswehr für Bosnien-Einsätze in Hammelburg bei Würzburg ins Gerede gekommen. Wie ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums am Montag gegenüber jW bestätigte, ist ein Reserve-Oberst der SFOR-Truppe in Bosnien aus dem Einsatzgebiet wegen der Äußerung völkerrechtswidriger Parolen abgezogen worden, nachdem Vorwürfe gegen den Bundeswehrsoldaten laut geworden waren. Nach Angaben mehrerer Zeugen, darunter auch aktive Offiziere, soll er während seiner Ausbildung in Hammelburg unter anderem gesagt haben: »Gefangene werden nicht gemacht«.

Die Belastungszeugen, die selbst ihren Dienst in Bosnien taten, machten ihre Angaben erst, als sie merkten, daß der beschuldigte Oberst ebenfalls zur Überwachung des Dayton- Abkommens in Bosnien eingesetzt wurde.

Im Juli waren Videoaufnahmen, die während der Ausbildung in Hammelburg entstanden waren, von Soldaten veröffentlicht worden, die vor laufender Kamera Hinrichtungen, Vergewaltigungen und Kreuzigungen nachgestellt hatten. Während jedoch diese »Einzeltäter« nach Angaben des Verteidigungsministeriums gar nicht für den realen Einsatz vorgesehen waren, handelt es sich in dem neuen Fall um einen ranghohen Offizier, der im SFOR- Hauptquartier in Bosnien eingesetzt war. Ihm wurde offensichtlich zugetraut, das Bild vom »verantwortungsbewußten Deutschen« auf dem Balkan zu repräsentieren.

(jW)

Mehr aus: Inland