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Leserbrief zum Artikel Jahrestag des Anschlags von Hanau: Gedenken an Tote von Hanau vom 20.02.2021:

Stunde der Heuchler

Es gibt Verantwortliche für das, was in diesem Lande seit vielen Jahren zu mörderischer Normalität geworden ist. Es gibt nicht erst seit Hanau »lückenlose Aufklärer«, die offenbar erst die Lücken machen und hüten. Es gibt die Gedenk-Heuchler mit den vorgestanzten warmen Worten vom einen bis zum nächsten Mordszenario. Es gibt die relativierenden Erklärer, die von Einzeltätern aus schwierigen Verhältnissen reden usw. Es gibt seit dem NSU bekannte und namhafte braune Sümpfe, Hunderte Nazis, die gesucht und nicht gefunden werden. Es gibt mehr Interesse an geheimer Verschwiegenheit, an Aufdeckung nur von dem, was nicht zu verdecken ist, Aufklärung auf Zeit, bis nichts mehr aufzuklären ist uvm. Es gab und gibt immer jene Schnellaufklärer, die den Clan-, Fremden- oder Islamistenhintergrund in die Meinungsmaschinen werfen. Es gibt viele Hunderte wie in Berlin, die wirklich gedenken und anklagen, die gegen die aufstehen, die nicht erst seit heute verantwortlich für das Geschehen sind. Würden sie ernsthaft aufklären wollen, sie müssten sich selbst abschaffen – das ist schon zu anerkannter Erkenntnis geworden. Warum unterstützen die regierenden Gedenkköpfe und -redner mitsamt ihren Parteien und zahlreichen Mitgliedern und Wählern nicht viel sichtbarer, erkennbarer und lautstark die Protesten gegen die Umtriebe der Neonazis und Rassisten? Warum nicht die Vertreter der regierungswilligen Opposition? Wer geht den wundersamen Pannen nach, die bei Anschlägen festgestellt werden? Wann werden wir medial Antworten erhalten auf die Fragen der Angehörigen der Opfer? Oder befindet sich alles schon im Wahlmodus? Nur an nichts rühren, was parlamentarischen »Frieden« und Regierungsoptionen stören oder behindern könnte? Wo ist die starke Opposition, die sich für Menschenrechte einsetzt? Sich um Nawalny, Belarus, China oder gleich Kuba zu kümmern ist weniger verfänglich und kann vielleicht Regierungspunkte bringen.
Roland Winkler, Aue
Veröffentlicht in der jungen Welt am 23.02.2021.

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