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Leserbrief zum Artikel »Andersartige Krisenlagen« vom 25.07.2020:

Entstellter Begriff

Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl, die Klassengesellschaft hat den Begriff immer emotionalisiert benutzt für ihre Interessen gegen Unterdrückte und Ausgebeutete. Zwei Weltkriege haben es mit unendlich viel Blut in die Geschichtsbücher geschrieben, und wieder wird der Heimat-Begriff benutzt. Gegen Missbrauch des Heimatbegriffs und seine traditionell militante, aggressive Ausrichtung müssen wir aufstehen, aufklären und Protest erheben. Die einzige Heimat, die zählt, ist das zivilisierte Benehmen, sagte Sir Peter Ustinov einmal. Ernst Bloch sprach vom Kommunismus als vom »Umbau der Welt zur Heimat«. Heimatverständnis hat damit zu tun, wem das Land Heimat ist und sein kann, wer darin seine Heimat hat. Als »Unsere Heimat« besangen Pioniere in der DDR einst das, was ihnen Heimat bedeutete, warum sie zu schützen war. Mit dem, was heute »Heimatschutz« genannt wird, darunter verstanden wird, hat das wenig zu tun. Dreist allein schon, den Begriff nach aller Geschichte so zu verwenden und nichts zu erklären. Die Kritik des Begriffs durch die Linke ist sehr berechtigt. Dabei darf es aber nicht bewendet sein. Wer soll gegen wen diese Heimat verteidigen? Wer bedroht die Heimat von innen? Welche Feinde und Bedrohungen sind damit gemeint? Es ist nicht nur Katastrophenschutz gemeint. Wir wissen nicht erst seit heute, wie sich selbsternannter Heimatschutz und selbsternannte Heimatschützer längst das Recht dazu nehmen, gar übertragen lassen. Wir wissen darum, wie Heimatschützer ihre Heimatpflicht darin verstehen, gegen Flüchtlinge, Ausländer, Fremde und ihnen Fremdes vorzugehen nach alten Traditionen und Ideologien. Genügt da eine Kritik des Begriffs und mehr nicht? Nur anders nennen, und damit ist alles in Ordnung? Ist das die ganze Antwort der linken Opposition, und wird dahinter nichts anderes erkannt? Krise und Krieg erwecken inneren Widerstand, der vom Machtapparat des Staates bekämpft werden muss. Ein sogenannter Heimatschutz fügt sich, ideologisch entstellt, bestens in das Konzept.
Roland Winkler, Aue
Veröffentlicht in der jungen Welt am 27.07.2020.