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Leserbrief zum Artikel Show und Realitätsverweigerung: Unsoziales Sachsen vom 17.07.2020:

Fleiß und Mühe

In der Sitzung des sächsischen Landtags am 15. Juli warf Sozialministerin Petra Köpping Begriffe wie »soziale Spaltung« und »Klassengesellschaft“ in die Runde, absolute Blindfleck-pfui-Begriffe in konservativen Kreisen, was den sächsischen CDU-Generalsekretär Alexander Dierks sofort in Verteidigungsstellung brachte: Ausdrücklich lobte er die »soziale Marktwirtschaft«, wo mit »Fleiß und Mühe« jeder »was aus seinem Leben machen« könne. Das stimmt auch, denn erinnern wir uns dunkel: Schließlich war es Ludwig Erhard, jener »Vater« der »sozialen Marktwirtschaft«, der sich 1944 in der Funktion eines loyalen Wirtschaftsberaters der Naziexpansionspolitik mit führenden SS- und Konzernführern traf und gemeinsam überlegte, wie man mit viel »Fleiß und Mühe« im Krieg erbeutetes Nazigold und Unternehmensvermögen via Schweiz ins Ausland schaffen könne. Derart erfolgreich, konnte er danach auch »was aus seinem Leben machen«: Wirtschaftsminister unter Adenauer, wo er gleich mit weiterhin viel »Fleiß und Mühe« am deutsch-argentinischen Handelsabkommen bastelte, um mit Hilfe der Geldwaschanlage »Daimler-Benz Argentina« und anderer lukrativ agierender Klarspülunternehmen einst verschifftes Kapital wieder zurück in die schlotenden Schornsteine des sogenannten Wirtschaftseunders zu pumpen. Alexander Dierks hat somit recht: In der »sozialen Marktwirtschaft« kann man mit »Fleiß und Mühe« was »aus seinem Leben machen«. Vorausgesetzt natürlich, man darf mit großen Kapitalmengen zweifelhafter Herkunft hantieren. Also doch nicht jeder ...
Ralph Hoth, Berlin
Veröffentlicht in der jungen Welt am 21.07.2020.