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Leserbrief zum Artikel Haftbefehl gegen Kosovos Präsidenten vom 25.06.2020:

Schuldigkeit getan

Wer hat denn den Mann zum Präsidenten eines Landes gemacht, einen Mann, der im Balkankrieg Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschheit begangen hat? Das war doch schon damals bekannt! Der Mann war da Führer der UCK, die die USA, ehe sie in den Krieg eintraten, als Verbrecherorganisation bezeichneten. Diese Bande hat als »Opposition« jeden Kontakt mit den nationalen Kräften verhindert. Slobodan Milosevics Delegation war zehnmal zu aussöhnenden Gesprächen in Rambouillet bereit, die UCK niemals. Den USA, die versöhnlerisch beide Parteien zusammenbringen wollten, war das ganz recht, denn sie hatten es auf den Kosovo abgesehen. Dort steht heute ihr größter Militärstützpunkt in Europa. Dazwischen Krieg mit Mord und Totschlag als Verbrechen, nachdem Milosevic 1999 nach Rambouillet bestellt und vor die Tatsache gestellt wurde, entweder zu akzeptieren, dass die NATO ohne Krieg das Land militärisch besetzt, oder es Krieg geben würde. Was sollte Milosevic als Präsident der Bundesrepublik Jugoslawien anderes tun, als die NATO-Besetzung abzulehnen, dafür aber den Krieg kassieren? Schließlich ging es auch nicht nur um den Kosovo, sondern darum, die Kleinstaaterei des Balkan wiederherzustellen und als Ausbeutungsobjekt wieder zu missbrauchen, was wir heute nur mit Hinweis auf den Fall Tönnies sehen, erleben und nachvollziehen können. Der »Mohr« Thaci hat offenbar seine Schuldigkeit getan und kann nun – erst einmal – verschwinden. Die USA rufen ihn vielleicht nach: Er war ein Schurke, aber er war unser Schurke.
Gerhard Schiller, Dresden