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Leserbrief zum Artikel Aus Leserbriefen an die Redaktion vom 25.06.2020:

Zum Leserbrief »Schwarzes Gesichtchen«

Die Einschätzung Badoglios greift etwas zu kurz. Ja, er war ein rücksichtsloser Vertreter der faschistischen Expansionspolitik und hatte Kriegsverbrechen begangen. Als Befehlshaber der Kolonialarmee (was nicht erwähnt wird) hat er beim Überfall auf Äthiopien auf Befehl Mussolinis das Giftgas Yperit eingesetzt. 1940 hatte er jedoch die Risiken eines Kriegseintritts Italiens an der Seite Hitlerdeutschlands erkannt, sich dagegen ausgesprochen und war als Generalstabschef zurückgetreten. Er war führend an der Palastrevolte zum Sturz des »Duce« im Juli 1943 beteiligt. Trotz der verfolgten reaktionären Ziele leisteten die Palastverschwörer als Vertreter realistisch denkender Kreise der Großbourgeoisie objektiv einen Beitrag zur Schwächung Hitlerdeutschlands und trugen zu einem früheren Ende des Krieges bei. Sie setzten dabei auch ihr Leben aufs Spiel. Wäre am 22. August 1943 ein von Hitler geplantes Kommandounternehmen zur Liquidierung der Badoglio-Regierung erfolgreich gewesen, hätte es ohne Zweifel ihren Tod bedeutet. Dieses Schicksal ereilte dann Mussolinis Schwiegersohn Graf Ciano, der als Teilnehmer an der Palastrevolte am 11. Januar 1944 hingerichtet wurde. Zu sehen ist auch, dass Badoglio Togliattis Vorschlag zustimmte, die antifaschistischen Oppositionsparteien, darunter Kommunisten und Sozialisten, im April 1944 gegen die Meinung Churchills in seine Regierung aufzunehmen (Wende von Salerno) und diplomatische Beziehungen mit der UdSSR herzustellen, die ihm die USA und Großbritannien verweigerten. Im Juni 1944 trat er, einer Forderung des Nationalen Befreiungskomitees folgend, als Premier zurück. Ziehen wir einen Vergleich mit dem Widerstand gegen Hitler, dann befanden sich auch unter den Wehrmachtsmilitärs, die mit Hitler brachen und sich dem »Nationalkomitee Freies Deutschland« und dem »Bund deutscher Offiziere« (der dem NKfD beitrat) anschlossen, solche, die an Kriegsverbrechen beteiligt waren. Übrigens wandte sich auch Montanelli 1994 gegen die Errichtung einer faschistischen Regierung unter Berlusconi, den er laut Espresso vom 21. Januar 1994 einen »nationalistischen Einpeitscher«, einen »lächelnden Diktator, Peron ähnlich«, nannte. Wenige Monate vor seinem Tod rief er auf, bei den Parlamentswahlen 2001 für eine Mitte-Links-Regierung zu stimmen.
Doris Prato, per E-Mail
Veröffentlicht in der jungen Welt am 27.06.2020.