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Leserbrief zum Artikel Brasília: Zehntausende Frauen gegen Bolsonaro vom 16.08.2019:

Kein Faschist?

Es fällt mir auf, dass der Name Jair Bolsonaro in dieser Zeitung kaum ohne das Epitheton »Faschist« bzw. »faschistischer Präsident« zu finden ist. Nun habe ich nicht den Hauch eines Anflugs von Sympathie für diesen Herrn, frage mich – bzw. Euch – aber dennoch, warum angesichts einer inzwischen erschreckenden Vielzahl von Politikern in ähnlich exponierten Positionen nicht das gleiche Attribut verdient haben. Es ist dabei keine rhetorische Frage, was genau ihn oder das politische Regime in Brasilien denn genau gegenüber anderen Politikern oder Regierungen unterscheidet, dass man dieses Prädikat hier vergeben muss und woanders nicht darf.
Mich erinnert das allerdings auch fatal an die Herangehensweise bürgerlicher Medien, in denen das Staatsoberhaupt eines nicht zum Wertewesten gehörenden Landes nie ohne einen Titel wie »Diktator« oder »Machthaber« auskommt. Man nennt so was heute bekanntlich »Framing«. Vielleicht muss man ja nicht alles genauso machen wie die anderen, auch wenn es politisch gerechtfertigt ist.
Gerechtfertigt wäre es jedoch allenthalben und konsequenterweise auch bei dem einen oder anderen hohen Politiker anderer Staaten, es sei denn, das wäre selbst für die junge Welt ein zu heißes Eisen. In dem Fall sollte man es dann aber auch bei Bolsonaro bleiben lassen.
André Dolecek
Veröffentlicht in der jungen Welt am 22.08.2019.