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Leserbrief zum Artikel Elefantenhochzeit: Schlechte Partie für Beschäftigte vom 12.09.2018:

Es geht um die Immobilien

Bitte jetzt nicht weinen, weil die Signa Holding des Österreichers René Benko mit Karstadt nun Galeria Kaufhof »frisst« (…). Für den Niedergang der einstigen »Konsumtempel« Karstadt und Galeria Kaufhof sind nicht ausschließlich Onlineshops wie Amazon und Zalando verantwortlich, sondern vieles ist selbstverschuldet. Waren Mitte der 80er Jahre im Schnitt noch 400 Vollzeitkräfte in den Kauf- und Warenhäusern beschäftigt, die (…) Artikel von »A« wie Anzüge bis »Z« wie Zubehör verkauft haben, so werden heute maximal noch 100 Teilzeitkräfte oder Aushilfen beschäftigt, die (…) zu 75 Prozent Konfektion, darüber hinaus etwas Schmuck und Parfüm verkaufen. Lebensmittelabteilung weg (oder verpachtet an einen Discounter), Funk und Fernsehen weg, Bücher weg, Autozubehör weg, Restaurant weg (oder verpachtet an einen Billiganbieter) … Was früher einmal einen »Konsumtempel« für die ganze Familie ausgemacht hat, ist zu einer »Ramschbude« verkommen. (…) Es herrscht die Meinung, dass der Kunde/die Kundin wohl kaufen muss, weil’s sonst nichts anderes gibt. Irrtum! Der finanzkräftige Kunde deckt sich im Fachhandel ein, der weniger finanzkräftige Kunde bei Kik, Takko oder im Internet. Gut, der Verbund bringt Einkaufsmacht. Aber darum geht’s Herrn Benko nicht. Er will die Immobilien verwerten. (…) Lukrative Häuser werden entkernt und von Grund auf neu aufgebaut. Zukünftig besteht das Warenhaus im Erdgeschoss aus einer Einkaufspassage mit kleinen Geschäften, Restaurants und Fitnessstudio, im ersten Stock werden Büroflächen vermietet, und im zweiten und dritten wird’s hochpreisige Mietwohnungen geben (…). Und die Beschäftigten? (…) Karstadt hat ja in den zurückliegenden Jahren ohne großes »Getöse« der Arbeitnehmervertretungen schon mehrere tausend Stellen abgebaut, da wird das doch auch bei Galeria Kaufhof funktionieren (…).
Peter Balluff, Vöhl
Veröffentlicht in der jungen Welt am 27.09.2018.