28.07.2017, 20:00:02 / Sommer des Widerstands

Für den anderen Blick

Das Wirken der jungen Welt hat Spuren im jW-Archiv hinterlassen. Aus ihnen wird nun eine Kunstsammlung aufgebaut

Von Dietmar Koschmieder
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Grafiken für die jW-Kunstsammlung: Maler Ronald Paris (4. v. l.) und Peter Michel (5. v. l.) am 19. Juli 2017 in den Räumen der Redaktion

Die junge Welt ist ein Gesamtkunstwerk, dessen Kernstück die überregionale Tageszeitung ist. Es gehören aber auch weitere spannende Elemente dazu, wie die Kulturzeitschrift Melodie & Rhythmus, die jährlich stattfindende Internationale Rosa-Luxemburg-Konferenz, unsere Ladengalerie oder einzigartige Aktionsformen, mit denen jW-Gegenkultur bekanntgemacht wird.

Neu in dieser Reihe ist die junge Welt-Kunstsammlung. Ihre Grundlage wurde in den 70er Jahren geschaffen: Um den Lesenden hochwertige Kunst zu erschwinglichen Preisen verfügbar zu machen, gab die Junge Welt signierte und numerierte Grafiken heraus. Ein Exemplar von jedem dieser Werke namhafter Künstler, darunter Willi Sitte, HAP Grieshaber oder Nuria Quevedo, sind nun Grundbestand der Sammlung. Hinzu kamen Werke des Berliner Malers Thomas J. Richter, von dem wir unter anderem das beeindruckende Ölgemälde »Für Carlo Giuliani« erworben haben. Die lebensgroße Rosa-Luxemburg-Skulptur des Bildhauers und Malers Rolf Biebl war ursprünglich für das Karl-Liebknecht-Haus gedacht, jetzt ist sie markanter Bezugspunkt auf der jW-Terrasse. Auch Originalabzüge von Negativen bekannter Fotografen gehören zur Sammlung, so von Roberto Chile, Jewgeni Chaldej oder Tina Modotti. Geerbt hat die junge Welt zudem den Nachlass des bekannten DDR-Fotografen Horst Glocke. Schon diese unvollständige Aufzählung zeigt, dass das langjährige Wirken der jungen Welt beeindruckende Spuren hinterlassen hat.

Der nächste Schritt besteht nun darin, aus diesem Bestand eine Kunstsammlung zu entwickeln. Stichtag war der 19. Juli 2017, an diesem Tag wurde das Ölgemälde »Charons Boote im Mittelmeer« von Ronald Paris in den Verlagsräumen enthüllt (jW berichtete). Bei dieser Gelegenheit übergab der Kunsthistoriker und jW-Autor Peter Michel weitere interessante Werke: Die Gesellschaft zum Schutz für Bürgerrecht und Menschenwürde e.V. überließ der jungen Welt acht und Michel aus seinem persönlichen Besitz 14 Grafiken. Darunter auch eine des antifaschistischen Widerstandskämpfers und Malers Fritz Schulze, der 1942 in Berlin-Plötzensee hingerichtet wurde.

Sammlung wie Zeitung stehen für den anderen Blick auf die Dinge: Kunst und Journalismus nicht als Ware zur Erzielung maximaler Profite oder zur Stabilisierung kapitalistischer Verhältnisse, die dies ermöglichen. Sondern als Mittel der Analyse und Kritik, um solche Verhältnisse zu ändern. Allen Künstlern und Spendern gilt unser herzlicher Dank!


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