Online spezial: Buchmesse Havanna 2012

Für den Frieden und die Umwelt

11.02.2012, 23:41 Uhr

Für den Frieden und die Umwelt

Katja Klüßendorf
Fidel Castro mit Zuleica Romay
Fidel Castro mit Zuleica Romay
Fidel Castro empfing internationale Kulturschaffende zum Austausch über die aktuellen politischen Herausforderungen

Zur Überraschung vieler lud Comandante Fidel Castro persönlich am Freitag im Rahmen der 21. Internationalen Buchmesse in den Palacio de Convenciones in Havanna zu einem „Treffen der Intellektuellen für den Frieden und die Bewahrung der Umwelt". Unter den rund 150 Gästen befanden sich die Kulturminister der sechs karibischen Staaten, ihre Amtskollegen aus Angola und Ecuador, internationale Intellektuelle wie der spanische Journalist Ignacio Ramonet, der Friedensnobelpreiträger Adolfo Pérez Esquivel aus Argentinien oder der brasilianische Befreiungstheologe Frei Betto.

Daneben nahmen zahlreiche kubanische Kulturschaffende an dem Austausch mit Castro teil, darunter Havannas Stadthistoriker Eusebio Leal und die Journalisten Luis Báez, Enrique Ubieta und Katiuska Blanco.

Bereits am 3. Februar präsentierte Blanco am selben Ort die ersten beiden Bände von „Fidel Castro Ruz. Guerillero del Tiempo", eine umfassende Aufzeichnung ihrer Gespräche mit dem Máximo Líder, und sorgte für großes Aufsehen in den Medien, da Castro hier erstmals nach langer Zeit wieder in der Öffentlichkeit auftrat.

Nur wenige Wochen davor ging über twitter die Nachricht von Fidel Castros vermeintlichen Tod durch die Medien außerhalb der Insel.

Umso erfreuter waren die geladenen Gäste, vom Comandante persönlich empfangen zu werden. Dutzende nutzten die Gelegenheit, Fidel Castro ihre Anerkennung auszusprechen. Er selbst bestand darauf, daß alle zu Wort kommen können, die wollten. Fast zehn Stunden tauschte er sich mit ihnen über die aktuellen Herausforderungen des globalisierten Kapitalismus aus, über Kriege und Krisenherde in Irak, Iran, Lybien, Palästina und Israel, über Vietnam, die Berliner Mauer, über die Occupy-Bewegung und die Indignados.

Einen Schwerpunkt in vielen Beiträgen nahm das Thema der Mediendemokratie und Manipulation ein. Ignacio Ramonet sprach über die Akkumulation geschriebener, visueller oder gesprochener Informationen im Zeitalter des Internets, die dazu führe, daß nicht mehr der Inhalt, sondern deren Menge entscheidend sei.

Die Massenmedien seien die ideologische Maschine der Globalisierung, denn sie helfen die Menschen glauben zu lassen, in der besten Gesellschaft zu leben. Ramonet bezeichnete die Medien und die ökonomische Macht als Zwillinge, welche die politischen Kräfte dominiere. Daß es eine größere Medienfreiheit gäbe wie nie zuvor, sei eine Lüge. Zwar würde heute mehr Kritik an Politikern durch Medien geübt, aber sie treffe nie die Finanzgeber und damit die wirklichen Macher von Politik.

Der kubanische Kulturminister Abel Prieto, der neben Castro und der Präsidentin der kubanischen Buchkammer Zuleica Romay auf dem Podium saß, setzte an Ramonets Vortrag an und sprach über die Bedeutung sozialer Netzwerke, die ausgebaut werden müssten, um Informationen schneller zu verbreiten und Desinformationen entgegenzuwirken.

Der lateinamerikanische Fernsehsender Telesur spiele hier eine sehr wichtige Rolle, wie Castro hinzufügte, denn er bringe als eines der wenigen Medien keine Propaganda.

Trotz Müdigkeit, die sich streckenweise bei ihm einstellte, trafen die Teilnehmer des Treffens auf einen aufmerksamen und humorvollen, aber vor allem noch immer revolutionären Comandante, der die Aufgabe im stetigen Kämpfen sehe und sich durch die Gespräche an diesem Tag gleich viel besser fühle.