Aus: Ausgabe vom 12.01.2017, Seite 8 / Ansichten

Papiertiger des Tages: Barack Obama

Von Michael Streitberg
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»Four more years!« (Vier weitere Jahre!) Als der scheidende US-Präsident Barack Obama am Dienstag abend (Ortszeit) vor 18.000 versammelte Anhänger trat, schien in diesen Rufen noch einmal jener Enthusiasmus aufzublitzen, der die erste Wahlkampagne des ersten afroamerikanischen Staatsoberhaupts begleitet hatte. »Das kann ich nicht machen«, musste Obama die Hoffnungen auf eine weitere Amtszeit mit Hinweis auf die in den USA geltende Amtszeitbeschränkung entkräften. Seine Bilanz nach acht Jahren im Weißen Haus ist ohnehin desaströs: Außer einer rudimentären öffentlichen Krankenversicherung wurde keine der von ihm damals geweckten Hoffnungen auf eine gerechtere Gesellschaft erfüllt. Obama wird vielmehr als jener Präsident in die Geschichte eingehen, dessen Überfall auf Libyen und dessen ausufernder Drohnenkrieg Tod und Zerstörung gebracht haben.

Bei aller notwendigen Kritik an der mörderischen Politik der Obama-Administration kommt man jedoch nicht umhin, auf den beschränkten Einfluss jedes beliebigen US-Präsidenten hinzuweisen. Angesichts einer fest im Sattel sitzenden Milliardärsklasse und einem militärisch-industriellen Komplex von unvorstellbaren Ausmaßen ist der vermeintlich »mächtigste Mann der Welt« nicht viel mehr als ein Papiertiger.

Der jugendliche Barack Obama, der sich im Umkreis kirchlicher Gruppen gegen die Armut in seinem Viertel engagiert hatte, mag noch selbst an die Erfüllung des Befreiung verheißenden »American Dreams« geglaubt haben. Auch bei dieser letzten Rede als Präsident in Chicago klang er so, als hätte es seine eigenen beiden Amtszeiten nie gegeben. Er lobte die »radikale Idee«, dass alle Menschen mit unveräußerlichen Rechten ausgestattet seien. Diese würden jedoch nur dann wirksam werden, wenn eben jene Menschen zusammenkämen und ihre Rechte auch einforderten. Damit entkräftete Obama unfreiwillig die einst von ihm selbst geschürte Hoffnung auf gesellschaftliche Veränderungen, für die es angeblich nur den richtigen Stimmzettel und eine Wahlurne braucht.

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