Aus: Ausgabe vom 23.03.2016, Seite 8 / Ansichten

Mausrutscher des Tages: Von Storch & Lengsfeld

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Die Rutschgefahr für Leute, die ganz rechtsaußen schliddern, ist nach islamistischen Terroranschlägen beträchtlich. Wahrscheinlich knallen fünf Minuten nach den Bomben die Korken, und fieberhaft loggen sie sich bei Facebook ein. Nun stehen die »Islamkritiker« vor mehreren Herausforderungen: Hetzerisch und provokant sollte es schon sein. Aber auch nicht zu dolle, Volksverhetzung ist hin und wieder ein teurer Spaß. Unbedingt rein gehört irgendwas mit »Ich hab’s ja schon immer gesagt«. Zu vernachlässigen sind weichgespülte Beileidsbekundungen. Bei der EU-Abgeordneten Beatrix Amelie Ehrengard Eilika von Storch (AfD) hat die Instrumentalisierung von Gewalt für politische Zwecke schon Tradition. Allerdings musste sie im Februar nach dem Befürworten von Schüssen auf Frauen und Kinder einen Unfall einräumen. Sie sei auf der Maus ausgerutscht. Am Dienstag klammerte sich von Storch mit Händen an dieselbe, facebookte ein harmloses »Grüße aus Brüssel« und »Hat aber alles nix mit nix zu tun«, um dem Islam doch noch einen mitzugeben.

Der Zeigefinger von Vera Lengsfeld muss ziemlich glitschig gewesen sein. »Gelobt sei Angela Merkel«, meinte die frühere CDU-Bundestagsabgeordnete auf ihrem Profil und dachte wohl nicht mehr daran, dass sie einst mit der von ihr Gescholtenen auf Wahlplakaten um das drallste Dekolleté buhlte. »Sie hat alles dafür getan, dass der Terror in Europa Fuß fassen kann«, hieß es weiter. Den Mausrutscher bemerkte Lengsfeld dann recht schnell, vielleicht war auch die Sektpulle leer – der Post jedenfalls flugs gelöscht. Bei Erika Steinbach war am Dienstag digitales Fasten angesagt, dafür ließ es die »Ini­tiative Heimatschutz Meißen« so richtig krachen: »Das Ding hätte ins Parlament gehört. Unter Schulz seinen Sessel«, schrieben die sächsischen »Patrioten«. (mme)

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