Aus: Ausgabe vom 02.03.2016, Seite 11 / Feuilleton

Hoffmann, Jascheroff

Jubel der Woche

Von Jegor Jublimov

Als Jutta Hoffmann kürzlich ihren Film »Karla« von 1965 im Berliner Kino Toni vorstellte, wehrte sie den Moderator ab. Er hatte anerkennend gesagt, dass sie sich in ihrer jetzigen Heimatstadt Potsdam für die Flüchtlingshilfe engagiert. »Menschen zu helfen ist doch eine selbstverständliche Sache, da muss man nicht viele Worte machen!« Die Schauspielerin, die morgen vor 75 Jahren geboren wurde, hat bei Theater, Film, Fernsehen und nicht zuletzt beim Hörspiel Außerordentliches geleistet. Als sie in den neunziger Jahren für den von Jürgen Holtz gespielten »Motzki« in der gleichnamigen Serie über einen Frührentner, der sich als Westberliner »Wende«-Opfer imaginiert, dessen Gegenspielerin Edith gab, lobte die Kritik ausdrücklich ihr dezentes Sächsisch. »Na aber – das ist erstklassisches Hallenserisch!« berichtigte sie. Denn dort kam sie zur Welt, und dort ist sie auch von Ernst-Georg Schwill 1958 für ihre erste kleine Filmrolle in »Maibowle« als Partnerin entdeckt worden. Erst danach studierte sie an der Filmhochschule und wurde schnell eine der beliebtesten Schauspielerinnen der DEFA. Nachdem sie 1972 für ihre Rolle in Egon Günthers Film »Der Dritte« in Venedig und in Karlovy Vary gleich zwei Darstellerpreise erhielt, war sie so etwas wie ein Star. Am nächsten Mittwoch wird sie den Film im Toni vorstellen.

Manchen gefiel ihr Widerspruchsgeist in der DDR nicht. Nach vielen Schwierigkeiten, die ihr gemacht wurden, war das Tischtuch 1983 endgültig zerschnitten. Sie arbeitete nur noch im Westen, errang Erfolge in Hamburg, München, Salzburg und Wien. Die von ihren Studenten verehrte Schauspiellehrerin ist in letzter Zeit vorrangig in Hörbüchern und -spielen zu erleben, und ihre Diktion bereitet auch hier höchsten Genuss!

Wenn Constantin von Jascheroff am Sonnabend 30 wird, bietet sich der Tag für eine punktgenaue Feier geradezu an. Doch ob ihm danach zumute ist? Sein Großvater, der Schauspieler und Synchronsprecher Hasso Zorn ist vor vier Wochen im 85. Lebensjahr gestorben. Constantin stammt aus einer verzweigten Künstlerfamilie, die auf einen russischen Großfürsten zurückgeht. Mütterlicherseits ist Jessy Rameik (bekannt u. a. aus der Reihe »Das unsichtbare Visier«) seine Oma, sein Vater Mario von Jascheroff ist im Synchrongeschäft u. a. der deutsche Sprecher von Micky Maus, und seine Tante die seinerzeit beliebte Schlagersängerin Vera Schneidenbach. Fehlt noch sein Bruder Felix, den man vor allem aus der Soap »Gute Zeiten, schlechte Zeiten« kennt. Beide Schauspieler sind Mädchen- und Schwiegermütterschwärme. Wer größere Gagen hat, ist unentschieden. Zumindest ist Constantin in seinen Rollen vielseitiger (»Falscher Bekenner«, 2005, »Jagdhunde«, 2007), wenn auch nicht immer stilsicher (»Willkommen im Krieg«, 2012). In »Nicht alles war schlecht« versuchte er 2014, seiner nicht unkomplizierten Herkunft aus der DDR auf den Grund zu gehen.

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Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Harald Bauer: Sag mir, wo du stehst! Der Autor stellt fest, die DDR sei nicht richtig mit dem Widerspruchsgeist der talentierten Schauspielerin umgegangen. Was heißt denn das: "Ab 1983 arbeitete sie nur noch im Westen". Jutta Hoffman...

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